28. Februar 2016

Der Zeit voraus

Es ist Februar. Noch einen zusätzlichen Tag lang. Fair enough, schließlich ist dieser Monat in der Verteilung der Jahrestage extrem kurz gekommen, also gibt man ihm alle vier Jahre einen Extratag. Alle zwanzig Jahre aber wieder nicht. Dafür alle hundert Jahre. Jedoch alle tausend Jahre wieder nicht.

Ähnlich lange fühlt sich das Warten auf den Frühling an. Reine Selbsttäuschung, denn erfahrungsgemäß schneit es an Ostern, man ist aus lauter Vitamin D-gepushtem Optimismus ständig zu kühl angezogen und die Wildlederballerinas in Pastellfarben bekommen Wasserränder vom ewigen Regenwetter. Trotz dieses Wissens warten schon einige leichtere Kleider auf der Stange auf ihren allerersten Einsatz, denn alle tragen noch das Preisschildchen. Hier ein kleiner Sneak Peek auf das, was kommt:

Esprit - Mango - Esprit- Zara. Risikostreuung.

Mein Projekt dümpelt langsam vor sich hin, auch wenn ich gestern wieder einen massiven Erfolg verbuchen konnte und nun die Zahl der Kleiderbügel auf der Stange einstellig ist. Es ist schwer geworden, das eine oder andere trasparente Oberteil ist eventuell nicht für den Winter geeignet, außerdem fehlt mir anscheinend momentan der Nerv für Bleistiftröcke. Was den Rest angeht bin ich entspannt, die Mäntel kommen auf jeden Fall bei etwas mehr Sonnenschein zum Einsatz.

Da waren's nur noch neun - zuzüglich der fünf Bügel mit Neuware, zwei Sommerkleidern die ich nicht knicken will und zwei Pasminas, die meine Hosenbügel beschäftigen.

Die Glitzertasche muß immer noch auf den Einsatz warten, aber da bleibe ich stur. Es gibt Teile, die will man einfach haben und anschauen. Und anfassen. Ich gebe zu daß die Haptik für mich unglaublich wichtig ist. Was bringt mir ein Kleidungsstück, das mir wundervoll steht und toll aussieht, sich aber seltsam anfühlt?

Frühlings- und Sommerschuhe, noch eingeschachtelt.

Die drei letzten Mohikaner warten auf ihren Ruf zur Schlacht. Bei den beiden Pumps schätze ich die Wahrscheinlichkeit hoch ein, bei den Stiefeln bin ich mir nicht mehr so sicher. Irgendwie sehen sie altbacken aus, dabei haben sie einen wunderschönen Taupeton und sind aus Kalbsleder. Eine Verschwendung, sie nicht zu tragen. Vielleicht ist Taupe keine Farbe für Stiefel?

Mehr - Schals?

Da ich erkältet war sind hier lediglich Halstücher dazugekommen. Die Pullover gehen ein und aus, genauso wie die riesigen Strick-Cardigans. Wenn mir kalt ist dann richtig.

Zurücktreten!

Ich habe die Pullis und Tops nach hinten geschoben, weil ich beim Rauskramen der Anzüge immer mal wieder den Stapel umgeschmissen habe. Das ist keine dauerhafte Lösung, bis mir etwas besseres einfällt sieht das Abteil eben seltsam aus. Spontan habe ich eine roséfarbene Polyesterbluse rausgeschmissen und unter Quarantäne gestellt. Die Farbe ist schön und der Schnitt raffiniert, aber ich friere darin und man muß das Teil ständig waschen. Vielleicht gehe ich lieber komplett auf Viskose, Seide und Baumwolle. Eventuell Leinen.

Crowded attic.

Wenn man die Stapel auf dem Brett da oben anschaut scheine ich vor allem zwei Aktivitäten nachzugehen: schlafen und Sport treiben. Die Sportklamotten muß ich wohl mal etwas aussortieren, jetzt da neue dazugekommen sind. Im unteren Abteil ist ein Chiffonkleid von Vero Moda dazugekommen.

Schuhschrankpanorama.

Die Stapel sind fast alle weg, da in der Ecke warten noch zwei Sommertops und ein Langarmshirt, welches zu dünn ist für den Winter. Daneben einige Handschuhe, Schals und Mützen. Dann die Tüten mit Halstüchern, dann ein paar neue Socken und eine neue Sommerhose, die Abendtäschchen und eine Kiste mit Strumpfhosen. That's it, dann sind wir durch!

Tada!

Nichts hat sich getan! Die ultimative Businesschuh-Sammlung!

Verfrühter Gast.

Das Paar braune Lederloafer ist in einem Anfall von Frühlingsstimmung wieder in den Schrank gewandert und kommt gleich wieder weg. So warm ist es noch nicht. Alles andere wie gehabt.

Morgen ist der Monat vorbei, und es sind noch vier Monate bis zum Ende des Experiments. Mit der Zeit fällt es mir immer leichter, Dinge auszusortieren. Zum einen die, welche ich schon besitze, zum anderen aber auch jene, welche ich im virtuellen Warenkorb liegen habe und dann doch nicht bestelle. Ich bin kritischer geworden und kann besser einschätzen, was ich gern tragen werde und häufig benutze, und was mir nur als Idee gefällt. Wenn man wenig kauft und dafür aussortiert wird man auch ziemlich kompromißlos, was Qualität angeht. Im Moment schreibe ich an einem privaten Shoppingkompaß, in dem ich meine bevorzugten Marken für bestimmte Kleidungsteile aufliste. Darin enthalten auch eine Blacklist von Marken, die mich in Sachen Qualität oder Service enttäuscht haben. Den Reminder brauche ich, wenn ich wieder die Frühjahrskollektionen durchforste und so sehr in Versuchung gerate...




2. Februar 2016

Zivilisationsversager

Jo, people, ich hab 'nen Lauf.

Schauen wir uns mal an, wo ich dieses Jahr hinwollte: pro Monat ein neues Teil kaufen, das Geld dafür auf Ebay oder anderen Kanälen einnehmen und ansonsten nur noch Dinge ersetzen die kaputt gegangen sind oder rausfliegen weil mag nicht mehr. Behold das Ergebnis für den Monat Januar:

Januar 2016
That escalated quickly.
Aha! Alles Ersatz, und ich kanns beweisen: für das weinrote Samttop ging ein schwarzes Tubetop, denn alle meine Ausgeh-Oberteile sind, Überraschung, schwarz. Die Sportkleidung hat ausgediente Modelle ersetzt, die es wirklich nötig hatten. Ich hasse es, Sportklamotten zu kaufen. Das rote Langarmtop und die blaue Pyjamahose ersetzen ein graues Langarmtop und eine ausgediente Pyjamahose. Die schwarzweiße Stoffhose ersetzt eine zerschlissene Sommerhose, und die ockerbraune Stoffhose hat den albernsten Fehlkauf des vorletzten Jahres ersetzt: eine acid-washed-Jeans in schwarz und schwefelgrüngelb.

Was uns zum einzigen Neuzugang bringt, und der zeigt uns in der Collage oben freundlich den Hintern: eine blaue Stoffhose mit ganz feinem Muster von Esprit. Oder, wie ich sie nenne: meine Flugzeughose.

Ja, ich bin nun stolzer Besitzer einer Flugzeughose.

Man möchte meinen, es gäbe dringenderes auf meiner Liste. Ich brauche beispielsweise ein paar schwarze, schlichte T-Shirts mit V-Ausschnitt, weil ich kein einziges besitze und denke, das so ein Teil meine Garderobe bereichert. Gerne auch in hellgrau. Oder ein schmaler schwarzer Ledergürtel, weil mein Exemplar anfängt sich aufzulösen. Oder ein Paar nudefarbene halbhohe Pumps, weil ich die seit drei Jahren suche. Aber nein, es ist die Flugzeughose geworden, weil das anscheinend die dringendste Anschaffung ist.

Was ist denn nun eine Flugzeughose? Fragen wir MC Hammer.

Kleiner Scherz. Für zivilisationsverwöhnte Warmduscher wie mich stellt sich die Frage, was anziehen wenn eine Flugreise ansteht und man bequem und trotzdem gut angezogen im Flieger sitzen will während man sich acht Stunden lang wahllos Kinofilme ansieht oder versucht, eine Schlafposition zu finden die ohne größere Mengen Alkohol erträglich ist. Jeans sind unbequem, Jogginghosen asi. Also sucht man eine leichte (es könnte in den Sommerurlaub gehen, außerdem Gepäck leicht halten), dunkle (Turbulenzen und Orangensaft) und elegant aussehende Hose, in welcher der eigene Hintern nicht aussieht als hätte man eine Windel an. So einfach sich die Aufgabe anhört, sie ist gar nicht so leicht zu lösen. Ich habe es erst im dritten Jahr der Suche geschafft. Pro-Tip: in Kombination mit schlichten Highheels, Samttop und Blazer, dazu vielleicht eine flaschengrüne Wildlederclutch, läßt es sich auch hervorragend Cocktails in diesem Outfit trinken. Außerdem hab ich so vier Neuteile aufs Mal getragen, und das ohne daß ein Flugzeug in der Nähe gewesen wäre. Cheers!



Packungsbeilage: die Regeln
http://www.diefragmente.de/p/die-regeln.html

1. Februar 2016

Einstiegsdrogen

Heyho, wir reden wieder über Müll. Nichts macht den Start ins neue Jahr so fresh wie ein Haufen leerer Plastikverpackungen. Und schon geht es los:

Leer im Januar.

Wie immer mal wieder von links oben:

- innisfree Tuchmaske Shea-Butter: wenn der Winter endlich mal den ersehnten Schnee bringt und die Eiseskälte morgens beim Schokocroissant-Holen ins Gesicht peitscht hilft diese Maske kompetent mit, die trockene Gesichtshaut wieder streichelzart zu bekommen. Leider nach wie vor nur online bestellbar, bedeutet jedesmal eine Fahrt aufs Zollamt und einen frühmorgendlichen Austausch von gegähnten Fragen, aber das nehme ich für meinen Lieblingssüdkoreaer gern auf mich. I like!
- innisfree Tuchmaske Green Tea: nicht ganz dasselbe in grün, die Maske ist nicht so reichhaltig, bringt aber genauso viel Feuchtigkeit aufs Gesicht. Riecht außerdem gut, besonders in Kombination mit einer Entspannungs-CD.
- Balea Reinigungsöl: das Zeug ist the shit, kein Spaß. Kostet zwei fuffzich, hält gefühlt ein ganzes Jahr (war sicher ein gutes halbes) und kriegt ungerubbelt mein Augen-Makeup runter. Irritiert meine Lider nicht, was unter den Abschminkprodukten so ziemlich einmalig ist. Ich hoffe dm nimmt das Zeug nie aus dem Sortiment, sonst werde ich wochenlang "haushaltsübliche" Mengen hamsterkaufen. Und zwar jeden Tag. In allen Filialen in meinem Einzugsgebiet. Und das sind ne Menge.
- CD Deo irgendwas mit Glück: hat gut gerochen und sporadisch seinen Job erfüllt. Kann mir bitte jemand ein Deo ohne Aluminium und Alkohol empfehlen, was deodorisiert? Irgendwer?
- & other stories Body Wash Probe Floral Memento: roch gut, aber solange stories keine Versandkosten-Codes rausläßt oder seinen Mindestbestellwert für Porto-für-umme senkt kauf ich keine Duschgele dort.
- innisfree Green Tea Serum: zwei Proben lagen meiner letzten Bestellung bei, und der perfide Plan meines Drogerieprodukt-Dealers ist aufgegangen: nach der ersten Anwendung war klar daß ich die Fullsize haben muß. Der "kauf 10 bekomm 10 geschenkt"-Maskendeal hat sein übriges getan. Jetzt sitze ich auf 32 Tuchmasken und einer neuen Flasche Green Tea Serum. Dabei ist mein Brightening Serum noch nicht mal zu 10% leer. Was lern ich hier eigentlich?
- Kneipp Badekristalle zum Fröhlich-Fühlen: verbreiten mit der Kombi aus Blutorange und Pink Grapefruit wirklich gute Laune, auch wenn es erstmal befremdlich ist in eine Badewanne voll blutroter Flüssigkeit zu steigen.
- Alverde Augencreme Augentrost: der Traumpartner zum Balea Reinigungsöl, päppelt trockene Augenlider auf und hat bei mir noch nie zu brennender Haut geführt. Hält ewig. Auch hier werde ich gnadenlos horten, falls die Creme je aus dem dm-Sortiment fliegt.
- Le petit Marseillais Reflet brun Shampoo und Leave-in Conditioner mit Karité: was wie eine gute Idee klang hat sich als kapitaler Irrtum herausgestellt. Meine langen, extrem dicken Haare mögen keine Leave-In-Pasten. Oder ich bin zu blöd zum Verteilen. Die Haare im Nacken waren immer fettig, während die Deckhaare trocken und krisselig in alle möglichen und unmöglichen Richtungen abstanden. Daß so ein Zirkus mit meinen sonst pflegeleichten Haaren überhaupt möglich ist hätte ich nicht gedacht. Im Prinzip sind sie immer noch beleidigt und knoten sich ständig zusammen. Keine Experimente mehr, wir gehen zurück zum orangenen Balea (wie immer die Linie heißt).

Kosmetiktechnisch plane ich großspurig einen No-spend-Monat im Februar. Es ist alles in Mengen vorhanden, langsam kann ich für die Aufbewahrung in den Badezimmerschränken das Wort "Konzept" verwenden und zum Zollamt will ich schon schnell auch nicht wieder...

31. Januar 2016

Klappe

Man sagt unser größter Kritiker sind wir selbst. Das mag in den meisten Fällen richtig sein, und oft ist diese Kritik berechtigt und hilfreich, solange man sich nicht für alles und jedes kritisiert. Ich selbst habe leider das Pech, daß mein innerer Kritiker verdammt helle und eloquent ist. Und so hält er mir ständig süffisant formuliert vor, daß ich mich lieber mit meinen textilen Besitztümern beschäftige anstatt etwas Sinnvolles zu tun. Klavierspielen lernen zum Beispiel. Oder staubsaugen. Oder früh ins Bett gehen.

Da ich dann nichts zu schreiben hätte und sowieso eine Trotzreaktion gegen diese Art von Erwachsenen-Vernunft kultiviere mache ich dennoch weiter Fotos von Kleiderstangen und Schuhschränken. 

"Mit Lichterkette wirkt es gleich bloggermäßiger."
Frontalansicht, verrät noch nicht viel Neues auér daß die Stiefel immer noch warten müssen. Peeptoes und Slingpumps sind momentan einfach nicht das richtige Schuhwerk, aber ausgehen sollte ich mal wieder. Das beige-karierte Zarakleid wartet immer noch auf den Frühling.

Same same but different.

Zwei Kurzmäntel sind aus den Tiefen des Kellerschrankes aufgetaucht, genau wie eine Jeansjacke. Zwar ist es immer noch kalt da draußen, aber ich hatte den Wechsel schwarz-beige-schwarz-beige bei meinen Mantelfarben satt. Diese beiden sind lila und tintenblau, leider nicht die beste Qualität da vom Schweden, aber für die Übergangszeit (die hoffentlich bald kommt) warm genug.

More in fashion.
Die schicken Pumps kommen kaum zum Einsatz, da momentan alles hoch im Kurs steht was man auch mit warmen Socken tragen kann. Zwei Paar Stiefeletten stehen im Hausflur und werden mich noch vor ein Platzproblem stellen, denn da ist nur noch ein Stellplatz über.

Awaiting.

Platz für meine Sneakers und die zwei Paar Ausgehpumps, die noch vor dem Spiegel stehen. Wo das graue Paar Stiefel noch Platz finden soll weiß ich selbst nicht. Vielleicht trenne ich mich doch noch von dem vernünftigen flachen Paar ganz links? Decisions...

Perspektivwechsel, trifft die Farben besser.

Man sieht es nicht aber von der Stange sind ein marineblauer Strickcardigan und das Paar schwarze spitze Pumps verschwunden, genauso wie eine Neuerwerbung, über die ich noch schreiben werde. Die leichten Kleider warten auf den Frühling, ich denke es lohnt sich nicht sie nochmal wegzupacken. Die Mäntel haben jedoch keine andere Chance mehr, was in diesem Winter nicht getragen wird ist raus.

Assorted shades.

Hoppla, was Neues! Ich habe spontan beschlossen, daß der Mensch maximal 10 Sonnenbrillen braucht, und entsprechend ausgeastet. Sonnenbrillenetuis habe ich noch vier, davon sind zwei schon mit Inhalt in die aktuell genutzten Handtaschen verschwunden. Die Duftkerze ist natürlich ein Blogger-Muß und brennt nicht, weil ich das total ironisch meine. Nicht. Oder doch. Whatever.

Das sollte fotogener sein.

Was hier dazukommt ist eh kaum zu erkennen, deshalb helfe ich Sherlock mal nach: ganz links hängt ein weinrotes Samt-Spaghettiträgertop. Man sollte meinen das sei das Letzte, was eine Frau mit Oberweite benötigt, aber es steht mir doch verblüffend gut. In Kombination mit einem schwarzen Blazer, einer Edel-Stoffhose und den spitzen Pumps geradezu fashion forward.

Mei, wie farbenfroh.

Nichts hat sich getan. Wenn ich bedenke wie viel Zeit ich in Arbeitskleidung verbringe sollte ich meinen Fokus vielleicht darauf richten, hier mal etwas Spaß reinzubekommen. Der lila Mantel ist ein Anfang. Mango hat gerade einen türkisgrünen Samtanzug im Angebot...

Das vernachlässigte dritte Abteil.

So schön groß dieser Schrank auch ist, ich hätte gern wieder einen mit einer einzigen Kleiderstange. Oder eben eine, die etwas länger ist. Das sieht immer so gedrängt aus... in der Zwischenzeit habe ich irgendwann mal den Poncho getragen, und sogar eine Garnitur Sportkleidung. Leider bleibt das hier eine Baustelle, ich weiß noch nicht recht wie ich organisieren soll.


Fazit erster Monat im neuen Jahr: die Kleidung vor dem Schrank nimmt nach wie vor kontinuierlich ab, was mich beruhigt. Ich rechne trotzdem damit, daß demnächst der tote Punkt kommt und ich Zero Erfolg verbuchen muß. Außerdem habe ich mein Budget für diesen Monat relativ fix ausgegeben, wobei 80% Austausch-Käufe waren und ich froh bin über die erweiterte Vielfalt in ein paar Kategorien. So ungern es der Möchtegern-Minimalist sagt: Neues beflügelt auch die Phantasie, Altes anders zu sehen.




5. Januar 2016

Spaß mit Statistik

Mit dem Jahresende kommt auch die Halbzeit meines Garderobenexperiments. Da ich neben dem Durchlaufen meines Besitzes an Kleidung mir auch zum Ziel gesetzt habe, weniger Neues zu kaufen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Dabei betrachte ich das gesamte Jahr 2015, auch wenn ich erst seit Juni in der Experimentalphase bin.

Ein guter Indikator für die Wertigkeit der Neuanschaffungen ist es, sich vor ein leeres Blatt Papier zu setzen und aus dem Kopf aufzuschreiben, was man alles in den letzten 12 Monaten angeschafft hat. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mindestens 75% zu erreichen und habe eine Gesamtzahl von 100 geschätzt. Positive Überraschung: es waren 85 Teile, und davon konnte ich 72 auflisten.


Erste Jahreshälfte 2015

Angeschafft bis Juni 2015
In der ersten Hälfte habe ich wenige Fehlkäufe zu beklagen, leider sind alle von Mango und leider ist es stets die Qualität, mit der ich ein Problem habe. Paradoxerweise sind meine Lieblingsteile ebenfalls von Mango. Könnte darauf hindeuten, daß Mango zwar stylischer wird, dafür aber die Langlebigkeit der Teile leidet. Zara ist wie immer ein Lotteriespiel, dieses Jahr habe ich eine ganz gute Quote. Alles von Uniqlo ist eine verläßliche Anschaffung, ebenso das meiste von Esprit. Massimo Dutti, Oysho und & other stories sind Einzelteile, ebenso Tamaris. Mein Radius was Marken angeht ist begrenzt.

Zweite Jahreshälfte 2015
Gekauft Juli bis Dezember 2015
In der zweiten Jahreshälfte hat sich markentechnisch nichts getan, zwei Geschenke habe ich hier der Vollständigkeit halber auch aufgeführt. Nicht ein Fehlkauf, aber auf dem Weg dorthin ist die rostrote Wildledertasche von Mango, die zwar wunderschön ist, aber auch schnell dreckig wird und bereits eine rabiate Behandlung mit Gallseife hinter sich hat.

Von den Teilen sind noch nicht alle getragen, im Gegensatz zu den Kleidungsstücken aus der ersten Jahreshälfte. Kleider scheine ich nur noch von Zara zu kaufen, mir gefällt eine bestimmte Länge, die andere Marken selten anbieten. Uniqlo und Mango sind wieder dominant, dazwischen einiges von Zara, Esprit und Oysho. H&M habe ich wieder eine Chance gegeben, vor ein paar Jahren habe ich schon einmal meinen Schrank aussortiert und bemerkt, daß fast alle Wegwerfteile von H&M waren. Trotzdem ist die Qualität per se nicht schlecht, man muß nur wissen worauf man achtet. Ich weiß das nicht immer, deshalb bleibt es ein Trial and Error.

Vergleicht man die beiden Jahreshälften habe ich in der zweiten circa ein Fünftel weniger eingekauft. Das freut mich, insbesondere da ich für neun der Neuzugänge etwas Altes aussortiert habe. Trotzdem bleibt die Gesamtzahl stattlich, das soll in diesem Jahr anders werden. Denn ich habe immer noch Kleidung auf der Stange vor dem Schrank.





3. Januar 2016

Search and deploy

Mit dem Jahreswechsel kommt auch die zweite Halbzeit meines Garderobenexperiments. Es läuft sehr gut, und gerade deshalb verschärfe ich die Regeln für die kommenden sechs Monate. Bisher gilt:

- die Kleidungsstücke/Schuhe/Handtaschen, die noch vor dem Schrank auf der Stange hängen, darunter stehen oder auf den Schuhschränken gestapelt sind, wurden seit Juli 2015 noch nicht getragen.
- wenn ich ein Teil bis Juni 2016 trage, kommt es in den Kleiderschrank respektive Schuhschrank.
- was bis zum 30.06,2016 nicht getragen wurde, wird verkauft/verschenkt/weggeschmissen.

Neue Zusatzregeln:

- für jedes neue Teil, das ich kaufe, muß ein altes gehen.
- ich muß in der Kategorie bleiben, d.h.: Hose gegen Hose, Jacke gegen Jacke.

Kleiner Cheat:

- es dürfen 12 neue Kleidungsstücke im gesamten Jahr dazukommen, die keinen Tauschpartner haben.

Der Haken:

Das Geld dafür muß von Ebayverkäufen kommen.


Der Gedanke dahinter ist einfach: ich bin der Meinung, daß die Größe meiner Garderobe absolut ausreichend ist und nicht mehr massiv wachsen muß. Einen Nullkonsum möchte ich aber nicht anstreben, da ich zwar mit der Zusammensetzung meiner Kleidungsstücke zufrieden bin, nicht aber mit der Qualität aller Teile. Diese möchte ich gegen hochwertigere Exemplare austauschen, vor allem bei Teilen von denen ich weiß daß ich sie oft trage. Dafür setze ich mein Budget ein, daß ich dieses Jahr um 30% im Vergleich zum Vorjahr gekürzt habe. Ich möchte mal sehen, ob ich damit auskomme.

Ein wenig Ausprobieren darf trotzdem sein, um damit nicht mein Budget zu belasten finanziere ich mir das mit Ebayverkäufen. Win-win: die alten Sachen kommen weg, und ich denke dreimal drüber nach ob ich mein sauer verdientes Ebaygeld für eine Grille ausgeben möchte.


Und wer bisher mitgelesen hat bekommt jetzt als Belohnung ein praktisches Beispiel. Im November habe ich bereits einen Testlauf für die Replace-Strategie laufen lassen, das ist dabei herausgekommen:

Schichtwechsel.

Links das alte, was den Platz räumen mußte: eine navyblaue Strickjacke von Zara anno 2010, inzwischen etwas sehr pillig geworden. Neu rein ein dunkelblauer Strickkimono von Mango, den ich bereits nonstop trage.
Unten links eine schwarze Wildlederbeuteltasche von Mango anno 2006, deren Innenseite inzwischen eher grau ist. Ersetzt durch eine rostrote Wildleder-Eimertasche, ebenfalls von Mango, die ich auch schon getragen habe und massiv reinigen mußte, da sie zu enge Bekanntschaft mit einer Jeans gemacht hat. Indigo ist die Pest.

Esprit vs. Esprit.

Verloren hat das hintere bleigraue Paar Wildlederstiefeletten von Esprit, ich weiß einfach nicht wie ich es kombinieren soll. Neu dabei ist das hellgraue Paar Wildlederboots, ebenfalls von Esprit. Ob ich mit der hellen Farbe glücklich werde werden wir sehen, mind the jeans...

Wenn chic gegen bequem antritt...

Letztes Duell: links hat gegen rechts gewonnen. Die Tamaris-Keilpumps sind zwar bequem, sehen aber enorm plump aus. Die Mango-Stilettos sehen sicher nicht bequem aus, sind aber chic. Ich frage mich ob und wann ich diese Entscheidung bereuen werde...







29. Dezember 2015

Empties und Kaputties

Manche ungeliebten Pflege- und Schminkprodukte nehmen uns die Bürde des Aufbrauchens ab, indem sie einfach kaputtgehen. Danke dafür, das erlöst mich auf dem Teufelskreis des stupiden Konsumenten:

Ich mag das nicht!
Aber ich hab Geld dafür bezahlt.
Und es hat Ressourcen gefressen.
Wegwerfen wäre dekadent.
Und früher hatten wir ja nix.
Ich werde es aufbrauchen.
Jedesmal, wenn ich es benütze, denke ich:
Ich mag das nicht!

Der Loop wird endlich unterbrochen, wenn das Zeug leer ist. Als Katharsis darf man dann ein Empties-Foto auf seinem Blog posten und selig darüber meditieren. Sind wir nicht alle ein bißchen sehr dämlich?

Leer oder bäh.

Biotherm Lait corporel: stammt noch aus den Zeiten, in denen ich bei Douglas die Goodie-Codes voll ausnutzen wollte. Inzwischen hasse ich das Wort Goodie leidenschaftlich, genauso wie das türkise D. Die Flasche ist also fast fünf Jahre alt und endlich leer, Pflegewirkung ist gut, keine Frage, aber wer zahlt ernsthaft 20 Euro für eine Körperlotion? Ich sollte mich schämen und tue das jetzt ausgiebig.

Dove DermaSpa Körperlotion Probe: pflegte gut und zog schnell ein, riecht für mich etwas seltsam. Schön, brauch ich nicht!

Innisfree Tuchmaske Manuka Honey: ich liebe die Tuchmasken, war gespannt auf die mit Honig. Irgendwie roch sie nach Alkohol, auch wenn sie gut gepflegt hat stört mich das. Immerhin, eine Variante gefunden die ich nicht mag.

Maybelline Fit me Concealer: noch nicht leer, sieht aber inzwischen ekelhaft aus. Seit ich ihn mit einer RealTechniques Blending Brush auftrage finde ich ihn sogar noch besser, tolles Produkt für wenig Geld! Schon nachgekauft.

JoliFin Nagelhaut-Entferner: tut seinen Job nicht und ist laut Warnhinweisen ungefähr so gesundheitsschädlich wie Arsen. WTF? War in einem Tauschpaket, jetzt weiß ich wieso. Ab in den Eimer - oder muß ich das Zeug zur Gefahrstoffsammelstelle bringen?

Rodial Glam Balm Lip: riecht inzwischen ranzig. Die Tube war bei Erhalt halb voll, ein Riesennepp. Warum sollte man sich das nochmal anschaffen? Wäre es nicht in einer dieser Aboboxen gewesen, um die sich freizeitkranke Konsumgläubige kloppen, ich hätte es nie angeschafft. Schön daß der Balm seine Wertigkeit bewiesen hat.



Das Endziel dieser Übung ist, daß ich eines fernen Tages eine leere Shampooflasche einfach wieder in den Müll werfen kann, ohne sie vorher zu fotografieren...