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27. Mai 2018

Level up

Einige Worte haben es vom Deutschen in andere Sprachen geschafft, so spricht der Franzose vom Rollmops und Rucksack (wenn auch ohne das zweite k), die englischsprachige Welt vom Zeitgeist und Kindergarten. Wenn es um die Naturwissenschaften geht is ein sprachlicher Exportschlager das Gedankenexperiment, und ein solches setze ich gerade aus der Theorie in die Praxis um.

Man stelle sich folgendes vor: von heute auf relativ bald (sagen wir morgen) verliere ich von meinen gefühlt zehn Kilo Übergewicht ganze elf. Entsprechend ändern sich Konfektionsgröße und Figur. Die Frage lautet: welchen Teil meines Kleiderschrankes liebe ich so sehr daß ich ihn zum Schneider trage um ihn umnähen zu lassen, und welchen entsorge ich?

Ich will keine Diskussion über Körpergewicht lostreten, oder die Sinnhaftigkeit des BMI. Mein Hausarzt und mein Gefühl sagen mir schon lange daß ich zu viel Gewicht mit mir rumschleppe und gesünder und bewußter essen sollte, mit mehr Bewegung und höherer Flüssigkeitsaufnahme. In den letzten neun Monaten habe ich genau dies getan, allerdings nicht für mich sondern für ein kleines Bündel Glück daß gerade neben mir schläft. Meine kleine Tochter.

Und an dieser Stelle wird das Gedankenexperiment Realität, denn ich hatte eine sowohl entspannte als auch völlig ungewöhnliche Schwangerschaft, in der ich kein Gramm zugenommen habe. Klingt komisch, ist aber so: nach der Geburt war ich plötzlich neun Kilo leichter, nach ein paar Tagen Stillen hat sich mein Gewicht nun auf elf Kilo minus eingependelt. Und die verteilen sich gut, mein Bauch ist noch etwas weich, ansonsten ist aber alles geschrumpft: Beine, Arme, Bauch auch, selbst mein Gesicht ist schmaler geworden. Kurz, ich sehe aus wie zu Beginn des Studiums. Kinder kriegen als Jungbrunnen. Sachen gibts.

Jetzt stehe ich vorm Kleiderschrank und nix passt, respektive die "schmalen" Hosen sind jetzt bequem und alles andere rutscht mir vom Hintern. Ich habe nach wie vor kein Untergewicht, aber wenn man eine bis zwei Größen zu groß trägt sieht man automatisch etwas ausgemergelt aus. Ich habe noch nie im Zusammenhang mit meiner Person das Wort "Hungerhaken" gehört, diese Woche hat sich das geändert. Vorteil: ich darf und muß Klamotten shoppen. Nachteil: ich muß Klamotten shoppen.

Machen wir also das Beste draus und gehen die ganzen Bretter, Stangen und Schubladen nochmal durch. Marie Kondo fragt, ob ein Teil Freude erzeugt wenn man es anfasst, das ist ihr Kriterium für die "keepers". Mein Ansatz geht einen Schritt weiter: gebe ich nochmal Geld aus um das ändern zu lassen oder nicht? Meine Strategie sind im Moment drei Haufen (ich arbeite gern mit Listen, Haufen und Flußdiagrammen):

- oh mein Gott auf keinen Fall kann ich drauf verzichten das kommt sofort zum Schneider
- brauch ich gerade nicht, sollte ich mal aufbewahren weil ich eventuell ja doch wieder zunehme
- meh

Der dritte kommt natürlich gleich weg, der zweite wird in Kisten verpackt und der erste kommt zum Schneider. Ich überlege wieviele "zu groß"-Kisten ich anlege, zu viele dürfen es nicht sein...

"Haben Sie die Person erkannt?" - "Nein, sie hat eine Maske getragen."

1. Januar 2017

They wanna know...

Für die meisten Menschen ist heute der erste Tag vom neuen Jahr, für mich ist hauptsächlich Sonntag. Nichts für ungut, sich kollektiv bis zwölf Uhr zu betrinken und dann ungestraft Sprengstoff vorm eigenen Haus zünden ist super, aber braucht es wirklich einen willkürlich gesetzten Kalenderanfang dafür? Warum machen wir das nicht jeden Samstagabend?

Sehr positiv finde ich zudem, daß man sich Gedanken über das eigene Leben macht, auch wenn man das eigentlich in regelmäßigen Abständen tun sollte. Ich persönlich frage mich regelmäßig Montagfrüh, was ich hier eigentlich treibe...

Zurück zum Thema, und das sind Neujahrsvorsätze. Ich nehme mir keine, denn mit dem Etikett versehen halte ich mich sowieso nicht an die gutgemeinten, komplett nutzlosen Gedanken, denn meiner Erfahrung nach hat dieses System nicht bewährt. Lieber setze ich mir einige "friendly reminder", die mein überkritisches Selbst daran erinnern, auf was es wirklich in diesem Leben ankommt. Ein paar derselben sind

Mach mehr von dem was Dir Freude macht!

Finde raus, was Du willst, dann finde raus, was Du brauchst.

Hör auf Dich selbst, schließlich kennst Du Dich am längsten und besten.


Das Ausprobieren gehört definitiv zu den Dingen, die mir Freude machen. Schon oft habe ich überlegt, hier im Blog mal Outfits zu posten. Leider sehe ich unter der Woche meistens recht gleich aus, zudem noch uninspiriert, das Licht ist schlecht und der Spiegel nicht geputzt - blabla. Heute hab ich mich mal über die üblichen Zweifel hinweggesetzt und geknipst. Voila:

Who's that girl?

So sehe ich aus wenn ich mal Lust auf Klamotte habe und bei Sonnenschein kurz an die frische Luft möchte, um den Kater zu verscheuchen. Für die meisten nichts Besonderes, für mich ein spektakulärer Ausbruch aus meinem Jeans-Pulli-Muster. Und weil das ein echter Modepost ist darf die Quellenangabe nicht fehlen: die schwarzen Stiefel sind von Pieces und inzwischen sicher sechs Jahre alt, der Rock von Esprit und der Poncho von Uniqlo (Geschenk vom Liebsten!). Da ich versierter Poncho- und Capeträger bin sitzt die Tasche natürlich unter dem Poncho. Der schwarze Kaschmirpulli ist von Christian Berg, die Sonnenbrille ein Knockoff irgendeiner RayBan.


Kamerascheu.

In Großaufnahme sieht man, daß ich mir akkurat die Nägel lackiert habe. Die Farbe heißt "Southern Grazia" und ist natürlich von Essie, mit der Marke komme ich einfach am besten klar. Der schmale roségoldene Ring ist von NewOne, und die Taschenschönheit von Massimo Dutti. Auf dem Foto kann man es vielleicht erahnen: ich mußte furchtbar grinsen.

Ganz um die Vorsätze komme ich also nicht rum, ich will wieder mehr Kreativität in meine Outfits bringen und schlicht Spaß daran haben. Vielleicht schaffe ich es, die hohe Kunst des Moodboarding zu erlernen, oder finde den einen oder anderen Instagrammer/Blogger, der schöne Outfits postet. Empfehlungen sind herzlich willkommen!

30. Dezember 2016

Remis



Das Jahr ist zu Ende, und es wird Inventur gemacht bzw. Bilanz gezogen. Nach Abschluß meines Garderobenexperiments wollte ich nur noch nach Liste kaufen, was hier nachzulesen ist:

An der Zeit

Ach, wie jung und naiv ich doch im Juli noch war... zur Erinnerung, ich wollte mich hierauf beschränken:

1. hellblauer Mantel, am besten aus Wolle
2. Reisetasche, Leder oder Canvas
3. Rucksack, schlicht und klassisch
4. Hemd mit Kravattenprint (das ist dieses kleine blau-marineblaue Muster)
5. Celine Moonbag-Lookalike (halbrunde Crossbodybag), nicht-schwarz
6. Leo-Loafer oder weinrote Lederloafer
7. Kittenheels, Pfennig- oder Keilabsatz
8. Neckholder-BH aus schwarzer Spitze oder Baumwolle, Multistrap
9. Chronograph
10. +X

Heute, am Stichtag, steht es unentschieden zwischen den gelisteten und den ungelisteten Neuanschaffungen der letzten Monate. Im Bild sieht das dann so aus:

Remis

Gleichstand.

Den Rucksack und die Reisetasche habe ich in Personalunion bei IKEA gefunden, das Ding hat sogar Rollen und ein Laptopfach. Praktisch, wenn auch nicht todschick, aber immerhin dezent. Der Chronograph war mein erster Fund, dann kam bald das Hemd mit Kravattenprint dazu, letzendlich die halbrunde Tasche mit Kettenriemchen, die ich wochenlang im Onlineshop gejagt habe.

Erfolglos war ich bei der Suche nach dem hellblauen Wollmantel und den Loafern. Das Exemplar von Esprit, welches ich ein paar Tage dem Onlineshop entliehen hatte, enthielt einfach zu wenig Wolle um als Wollmantel durchzugehen, auch wenn Esprit das anders sehen mag. Die weinroten Loafer von Massimo Dutti sahen schick aus, waren aber so dermaßen unbequem daß ich sie noch nicht mal länger als eine Minute anbehalten wollte. Wer macht sowas und warum? 

Akzeptable Kittenheels scheinen ebenfalls nicht in Mode zu sein, und ich sehe nicht ein mit 10 cm Absätzen ins Büro zu stöckeln. Auch nicht auf Plateaus, herrgottnochmal! Budapester habe ich genug, auch den einen oder anderen Loafer nenne ich mein eigen, aber es muß etwas zwischen flach und lächerlich geben.

Neben der Liste habe ich ein paar unglaublich bequeme und edle Chelseaboots geschossen, und zwar von Gabor, einer Marke, die in meinem Spektrum vornehmlich Omas ausstattet. Mea culpa, ich habe euch Unrecht getan. 
Positiv zu erwähnen sind auch die Gürel von Massimo Dutti, die ich gleich in zwei Farben geholt habe. Qualitativ hochwertige Gürtel sind schwer zu finden, Exemplare mit interessanten Details noch viel seltener. Beide trage ich im ständigen Wechsel, eine gute Investition.
Das senfgelbe Tshirt ist von Esprit und war ein Farbexperiment, das sich als Glücksgriff herausgestellt hat. Man kann mit 37 immer noch Farben entdecken, die einem unvermittelt stehen. Der kleine senfgelbe Münzbeutel ist von Massimo Dutti und kann als mein +X gelten, denn das Ding benötigt kein Mensch, es macht mir aber ungemein Freude. Ich kann noch nicht einmal sagen warum.
Der Schal mit Spatzen ist ebenfalls ein Launekauf, der mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert wenn ich ihn trage. Und das ist einer der besten Gründe, ein Accessoire zu besitzen.
Final hat sich ein Maxikleid ins Bild geschlichen, welches ich noch ein wenig umnähen muß. Dann kann der nächste Sommer aber kommen!

Gut, was ist also das Fazit dieses Versuchs, sich über eine Liste zu bewußterem Konsum zu bringen? Meiner Meinung nach sind Listen nur eine Krücke, um das eigene Verhalten zu hinterfragen und zu kontrollieren, aber eine gute. Sich zu ändern bleibt schwierig, aber machbar ist es auf jeden Fall.



31. Juli 2016

An der Zeit

Time piece.

Heute schreibe ich gleich zwei Einträge, denn ich hatte einige Zeit zum Nachdenken. Soviel ich auch im letzten Jahr gelernt habe, so unvollkommen fühle ich mich noch, gemessen an den Erwartungen, die ich an mich selbst stelle. Es ist wahrscheinlich zu naiv gewesen, sich vorzustellen, nur noch bei Bedarf Neues anzuschaffen und alle Entscheidungen nach Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit zu treffen. Trotzdem streben wir alle danach.

Wie bei allen Zielen, die man sich setzt, sind die Hürden bis zum Erreichen desselben zahlreich und tückisch, und es ist völlig egal, an welcher Hürde man scheitert, sei es die erste oder die letzte: das Ziel ist nicht erreicht. Man kann aufgeben, man kann lernen und es dabei bewenden, oder man kann immer wieder angreifen. Fest steht: wirft man die Flinte ins Korn, dann ist alle Anstrengung vergebens, alle Mühen verloren. 

Meine Bilanz fällt gemischt aus, in Kurzform habe ich meinen Bestand verringert und die Qualität und Alltagstauglichkeit meiner Garderobe erhöht. Mein Kleiderschrank ist mir um einiges sympathischer, und ich ziehe mich gern an. Demnächst gehe ich auf eine zweiwöchige Dienstreise quer durch Asien, und ich bin bei dem Gedanken, für zwei Wochen bei Hitze und Schwüle Geschäftskleidung zu packen, entspannt wie nie.

Jedoch verbringe ich immer noch Stunden damit, in Onlineshops nach Neuem zu suchen. Immer mal wieder erreicht ein Paket meine Haustür, meistens schicke ich den Inhalt komplett zurück, aber die Sucht nach Neuem ist nach wie vor nicht beendet. Zudem sagt mir mein Budget, daß ich den Monat bereits fast ausgeschöpft habe. Und ich spreche vom kommenden Monat.

Wie immer bei einer solchen Situation ist man frustriert und will alles hinschmeißen. Aber lieber bleibt man auf der Leiter stehen, als wieder herunterzusteigen, auch wenn man im Moment glaubt keinen Schritt mehr weiterzukommen. Was hilft, ist eine Analyse der Situation. Dazu kann ich herzlichst einen Post von Anuschka empfehlen, sie hat gerade erst über Menschen geschrieben, die als Hobby Shoppen angeben:

http://into-mind.com/blog/2016/7/25/why-shopping-is-a-bad-hobby-and-what-to-do-instead

Ich habe Shoppen nie als Hobby angesehen und offen gesagt die Leuze als verrückt betrachtet, die so etwas tatsächlich tun. Wahrscheinlich bin ich zu alt, nicht Teil der Turbo-Konsumgesellschaft oder zu kritisch gegenüber anderen oder mir selbst. Letzteres hat mir aber geholfen, mein eigenes Verhalten zu hinterfragen, lange bevor Anuschkas Post geschrieben wurde.

Wer kennt das nicht: man sucht etwas bestimmtes, findet etwas total anderes und freut sich ein Loch in den Bauch über den Zufallsfund. Oder man geht kurz in Geschäft xy, um eine Trivialität einzukaufen (Socken, Haarbänder) und verläßt das Geschäft eine halbe Stunde später mit der perfekten Ergänzung zur Herbstgarderobe, die aus einem Mantel, zwei Pullovern und langen Lederhandschuhen besteht.

Fakt ist: ich habe diese Käufe nie bereut, sie sind aber nicht planbar. Sie kommen selten vor, sind aber trotzdem die Motivation, die mich immer wieder suchen läßt, die Pakete in meinen Flur zaubert und mich leider auch den Großteil (sprich: diesen Monat 100%) der Ware retournieren läßt.

Was sich allerdings planen läßt sind Notwendigkeiten, und um mein zielloses Herumwandern einzuschränken und den Blick wieder zu schärfen habe ich mir für die kommenden fünf Monate eine neue Aufgabe gestellt: Kaufen nach Liste. Hört sich bieder an, ist es sicherlich auch. Egal, ich bin hier um zu lernen, also versuchen wir es.

Die folgende Liste ist eine Mischung aus Dingen, die ich wirklich brauche, weil ich sie nicht besitze und misse, und Dingen, die ich schon lange suche weil sie absolut meinem Stil entsprechen:

1. hellblauer Mantel, am besten aus Wolle
2. Reisetasche, Leder oder Canvas
3. Rucksack, schlicht und klassisch
4. Hemd mit Kravattenprint (das ist dieses kleine blau-marineblaue Muster)
5. Celine Moonbag-Lookalike (halbrunde Crossbodybag), nicht-schwarz
6. Leo-Loafer oder weinrote Lederloafer
7. Kittenheels, Pfennig- oder Keilabsatz
8. Neckholder-BH aus schwarzer Spitze oder Baumwolle, Multistrap
9. Chronograph
10. +X

Der letzte Punkt ist ein Bonus, denn momentan haben wir Hochsommer und ich möchte die Liste bis Ende Dezember pflegen. Wer weiß was mir einfällt, sobald es kälter wird. Die Uhr tickt ab morgen, 1. August, und das ist recht wörtlich zu nehmen, denn den neunten Punkt habe ich bereits abhaken können. Der "Chronograph" von Esprit ist mein erstes Wunschteil, das ich für diese Liste gefunden habe. Abseits der Liste dürfen nur Dinge ersetzt werden, die kaputt gegangen sind - also keine weiteren Käufe. Ich bin gespannt und skeptisch, ob ich durchhalte, freue mich aber auch auf das, was ich lernen werde.

2. Juli 2016

Was vom Jahre übrigblieb


Ein Jahr. Ein ganzes Jahr. Ungezählte Kleidungsstücke, Neuzugänge und Aussortierte haben Kleiderstange, Schuhschrank und Ankleidezimmer gesehen in dieser Zeit. Viel Aufwand, der sich aber gelohnt hat: ich habe wieder Spaß an meiner Kleidung und endlich, endlich wieder "etwas anzuziehen" nach all dem Chaos. Vorher-Nachher-Bilder gefällig?

This is where we started...

this is where we are.

Wie Sie sehen sehen Sie wenig. Kaum zu fassen,aer ein gutes Drittel der Mittelkonsole ist für Bettwäsche und Badetücher frei geblieben, und wenn ich die Ablageflächen auf den Schuhschränken mitnutze wird hier noch mehr frei. Eindrucksvoller ist das Bild mit geöffneten Türen:

Alles meins... alles meins!

Da die Türen nicht freiwillig offenbleiben durften drei Pumps aushelfen. Das ist jetzt also mein ganzer Besitz in Sachen Garderobe - minus die Schuhe in Nutzung, die sich im Schuhschrank befinden. Ganz oben auf den Brettern habe ich die Winterschuhe verstaut, auch die eine oder andere Handtasche im Staubbeutel. Die Höhenunterschiede der Kleiderstangen werden mir jetzt zum ersten Mal bewußt, leider ist neben dem Schubladenelement wirklich viel Platz verschenkt. Ganz links sind Freizeitklamotten, auf dem Brett oberhalb der Stange alle Hosen und Shorts, daneben Clutch-Taschen. Ich habe einige. Darunter gefaltete Tops und Pullover, zur Zeit nur federleichte. In der Mitte meine Arbeitsgarderobe, die um einiges farbenfroher und attraktiver geworden ist. Die rechte Seite ist bevölkert von Sportklamotten und Pyjamas (oder was ich stattdessen trage) auf dem Brett, darunter Sommerkleider, Lederjacken, Mäntel und mein Kimono. Zwei Paar Stoffschuhe und meine Schlappen warten ganz unten auf sporadische Ausflüge.

Weiter geht's mit der Panorama-Ansicht:
Haufen!

Einer muß immer der letzte sein.

Wow, was für eine schiere Menge! Damals hatte ich noch zwei große Klapp-Kleiderstangen im Einsatz, und sie haben sich unter ihrer Last durchgebogen. Am Stichtag, den 30. Juni, hing nur noch eine verlegen aussehende ärmellose Seidenbluse auf dem letzten Bügel. Sie ist und bleibt mir zu klein. Das habe ich hoffentlich gelernt: geknöpfte Oberteile müssen Spiel haben und sehr gut sitzen, denn die Oberweite spielt prinzipiell gegen Dich.

So sah es hier vor einem Jahr aus.

Status quo, 30. Juni 2016.

Stapelweise Kleidung, die laut Volumenrechnung niemals in den Kleiderschrank passen kann. Heute sind viele der Teile nicht mehr bei mir, trotz munterem Einkaufen muß ich meine Garderobe also reduziert haben. Die beige-schwarze Tasche ist zur Zeit im Einsatz, und ich finde es extrem entspannend, einen Platz für sie zu haben. Der hintere Schrank ist übrigens leer, mal sehen wo er eine neue Aufgabe in unserem Haus findet. Wollen wir mal die Schuhe anschauen?

My precious.

Toll, ich sehe die Sammlung und hab soviel Auswahl, wie ich immer wollte. Sogar nicht-schwarze Arbeitsschuhe sind dabei! Das wichtigste ist jedoch: jeder, wirklich jeder Schuh, der in meinen Schränken steht, ist bequem. All die schicken Treter, die mich nach ein paar Stunden gequält haben, sind passé.

Welches Resümée kann ich nach einem Jahr ziehen? Fangen wir mal von vorne an. Was war meine Motivation? Was hab ich gelernt und was nicht?

Ich hatte keinen Überblick mehr über meine Garderobe.
Das hat sich radikal geändert, siehe Fotos oben. Es ist nicht nur alles übersichtlich angeordnet, dadurch daß ich alles die letzten 365 Tage mindestens einmal getragen habe bin ich mit meinen Kleidungsstücken jetzt wieder per Du.

Schrankleichen nahmen Platz weg, den ich brauchte.
Die toten Teile sind alle rausgeflogen. Vielleicht auch das ein oder andere scheintote, was solls. Bei ein paar Kategorien habe ich mir einfach eine Maximalzahl gesetzt und den Rest entsorgt. Klingt radikal, bringt aber zum Vorschein was man wirklich braucht und was man eigentlich nur hat.

Ich stand vorm Schrank und hatte nichts anzuziehen.
Da ich ein guter Kombinierer bin war das wirklich seltsam. Während des Experiments gab es jedoch einige Augenblicke, als mit der Geistesblitz aus dem Nichts traf. Ich hielt ein Teil in der Hand und begriff plötzlich: ich kann Dich nicht leiden. Aus unterschiedlichen Gründen: es war an einer Stelle zu eng, es war formlos, es war nicht meine Farbe. Ganz egal, aber unterschwellig produzierte es allein beim Anschauen schlechte Laune. Heute will ich am liebsten alles tragen.

Fehlkäufe sind die Pest.
Mottet man den Schrank aus kann man auch die Fehlkäufe alle mal auf einen Haufen werfen. Das ist ein sehr aufschlußreicher Prozeß, weil man sich Gedanken machen muß, was einen Fehlkauf ausmacht. Bei mir war meist die Farbe oder die Qualität das Problem, während der Zeit habe ich mir eine Shopping-Blacklist geschrieben. Darauf die Marken, die mich in bestimmten Kategorien (oder allen) fast immer enttäuscht haben. Ihr verführt mich also nicht mehr.

Was ist mein Stil?
So aneinandergereiht und auf Fotos festgehalten kann man den Hinweisen auf die eigenen Vorlieben eigentlich gar nicht entkommen. Ich scheine kleine Muster zu lieben, Blautöne, möglichst fließende Kleidung, grobes Leinen und Erdtöne bei Ledertaschen. 

Spaß an Mode, geht das?
Hand aufs Herz: ich wollte mich für immer vom Thema "Kreativ mit Kleidung" verabschieden und mein Leben in der Arbeitsuniform (Hosenanzug) und der Freizeituniform (Jeans und T-Shirt) fristen. Möglichst alles in Neutralfarben, weil es so leicht zu kombinieren ist. Das ist heute anders: das Experiment zwingt zum Umdenken und Ausprobieren. Ockergelbe Print-Capri mit lilafarbenem Uboot-Top? Hochgekrempelte Khakibluse mit rostrotem Faltenrock? Wäre ich von allein nicht darauf gekommen. Dabei bewundere ich diese Kombinationen immer in Frauenzeitschriften oder Modekatalogen - ich bin schon ein Rindvieh.


Und wie geht es weiter? Die Kleiderstange wandert ins Gästezimmer, der Blog in die Versenkung? Nein, ich habe vor, mich weiter lose mit diesem und anderen Themen zu beschäftigen und auch darüber zu schreiben. Den Shopping-Kompass (aka Blacklist) möchte ich noch ein wenig pflegen und dann kommentiert hier einstellen. Vielleicht ist meine Makeup-Sammlung mein nächstes Ziel?













Eins noch: ich wollte Danke sagen an die Leser, die meine Post kommentiert haben. Das motiviert und bedeutet mir viel, freue ich mich doch sehr daß jemand Interesse an meinem kleinen Experiment hat und vielleicht sogar einen Nutzen daraus zieht. Und sei es nur die Idee, daß eine Frau ein ganzes Jahr gebraucht hat, nach dem Umzug ihren Kleiderschrank einzuräumen. :-)


27. Juni 2016

Flames to dust

Die Zeit ist schnell vergangen. Trotzdem kommt es mir so vor, als hätte ich schon vor weit mehr als einem Jahr mein Experiment begonnen. Es liegt in den letzten Zügen, und ich frage mich was ich danach mit meiner Zeit und Kreativität anfangen soll. Wie ich mich kenne fällt mir sicher etwas mehr oder minder interessantes ein, die Frage ist wann.

Bleiben wir vorerst im heute und schauen nochmal in alle Schränke. Ich habe die Sommersaison eröffnet:


Wenn hier einer dumm tut dann bin ich das!

Freizeitschuhe. und zwar alle für diesen Sommer. Sind sie nicht wunderschön? Sogar eine gesunde Quote an flachen Varianten steht zur Wahl. Die neuen Unisa-Blocksandaletten warten noch auf den ersten Ausflug. Seit letztem Jahr sind einige Schuhe rausgeflogen, was teilweise weh getan hat, aber da ich nichts vermisse war das die richtige Entscheidung.

Ein Update ist verfügbar. 

Die Bande hab ich ganz schön aufgemischt, drei neue Paar Schuhe zähle ich seit letztem Monat. Ich muß sagen die Abteilung hat mich am allermeisten gelangweilt. Umso größer die Überraschung, als ich vor ein paar Tagen sponten begriffen habe, daß ich die beiden praktischen Clarks-Mokkasins auf den Tod nicht leiden kann. Dafuq?


Bäm - Muster!


 Ich bin ja eigentlich ein Blau-Mädchen. Das merke ich schon daran, daß ALLE Hosen, die gefaltet auf dem Brett oben links liegen, blau sind. Marineblau, tintenblau, wasserblau, blau eben. Dann noch die blauen Röcke, der marineblaue Minirock mit Stickerei und der gepunktete Chiffonrock in tintenblau. Trotzdem sehe ich extrem viel koralle und orange, dabei mag ich kein orange. Ich kenne mich ja richtig gut. Heute habe ich frei, den Schrank geöffnet und nur Sachen gesehen, die ich liebe und gern tragen will. Hach!

Kill it with color!

Kaum wiederzuerkennen: die Arbeitskleidung. Ja, ich knalle hier ohne Gnade Farbe rein, bis ich wieder Spaß an der Alltagsroutine habe. Und wenn ich mir dafür ein Tattoo auf den Oberarm stechen muß - es braucht mehr Punk im Meeting!


Kleidsam.

Oh, meine Sommerkleider... man sollte darin leben. Alle meine Schätze, wirklich alle, auf Kleiderbügeln, bereit für jedes Abenteuer und jede Party. Die Musterquote liegt bei 75%, wie ich schnell festgestellt habe: auf drei gemusterte Kleider kommt ein einfarbiges. Ganz rechts hatte ich sogar Platz für zwei Winter-Anzüge, denen ich die engen Kleiderboxen nicht zumuten wollte. Zwei Paar Stoffschuhe, die ich gern als Notfall-Lösung in die Handtasche werfe, kommen beim nächsten Highheel-Einsatz mit. Man sollte immer einen Plan B haben.

Da waren es noch vier...

Ja, was ist denn noch übrig? Wider Erwarten hauptsächlich Accessoires, die eigentlich leicht unterzubringen sind und - was man bei einem solchen Experiment nie vergessen sollte - niemals zu klein oder groß sein können. Noch haben sie drei Tage, welche sie nutzen müssen.


Cameo.

Und zum Schluß endlich mal ein Fotobeweis: den Rock und die Tunika wollte ich heute sowieso zum Abendessen tragen. Da die Stiefel ja zu klein geworden sind war es eigentlich nur aus Flachs, als ich sie zum letzten Mal anprobieren wollte. Denn am 1. haben sie Flugtag. Tja, was soll ich sagen: sie passen wieder. Drohen lohnt sich also auch bei Schuhwerk. Man lernt nie aus.

Und nun entschuldigt, ich muß in einem kreativ-seltsamen Outfit mein Dinner einnehmen...

20. Juni 2016

I read the rules before I broke 'em

Zehn Tage! Dann ist Ende Gelände, Sabbath, Schicht im Schacht!

Um es mit den Worten Barneys zu sagen: challenge accepted. Trotz Planlosigkeit und Wechselwetter habe ich es am Wochenende geschafft, ein paar Teile aus der Schußlinie zu schaffen. Und obwohl noch 16 Kleidungsstücke auf der Stange hängen oder auf dem Schuhschrank rumlümmeln bin ich ziemlich optimistisch. Eine Hochzeit hat sich angekündigt, und für diese hab ich bereits das lange Seidenkleid reserviert. Findet zwar nicht mehr im Juni statt, aber das gilt!


The last of mine.

Für das dunkelblaue Maxikleid ganz links auf der Stange gibt es am Wochenende eine Sommerparty, das weiße Etuikleid bekommen meine Kollegen zu sehen und der schwarze Lederrock geht mit mir am Samstag was trinken. Wahrscheinlich mit von der Partie das genausoschwarze Seidentop, wird gut aussehen!

Etwas Kopfzerbrechen mache ich mir für den rosenholzfarbenen Ajourstrick-Wickelcardigan. Wow, das ist ein Wort für Scrabble oder Hangman... und natürlich das Pailettenbarett. Eigentlich braucht jeder ein Pailettenbarett in seinem Leben. Oder bei Hangman. Oder Scrabble.

Schwarz sehe ich für die Stiefel, den Pashmina, die weiße Seidenbluse und die blaue Tunika.
The rest of me.

So schön es auch war, ich bin langsam durch mit dem Experiment. Was ich vermissen werde ist die offene Kleiderstange im Zimmer, das ist schon sehr übersichtlich im Vergleich zu meinem unpraktischen Schrank. Da muß ich mir noch was besseres überlegen, auch für die Schuhe. Es stimmt schon - was man nicht auf den ersten Blick findet wird nicht getragen und so auch nicht genutzt. Spricht für eine kleine Garderobe - oder einen riesigen Kleiderschrank!

12. Juni 2016

The final countdown

Zwei Wochen Urlaub haben geholfen, einige der eher alltagsuntauglichen Kleider - sprich, Strandkleidung - vor dem Aus zu retten. Schwer gefallen ist mir das nicht, ich habe mich schon wochenlang darauf gefreut, das eine oder andere Teil in der Sonne zu tragen. Und auf gebräunter Haut sehen meine Wasserblau- und Koralltöne einfach besser aus.

Nichtsdestotrotz haben es insgesamt 20 Kandidaten noch nicht geschafft, und die Zeit läuft ab. Da keine Gefangenen gemacht werden muß ich mir vor allem für die vier Abendtäschchen was einfallen lassen, aber Phantasie habe ich schon immer im Übermaß besessen.

The usual suspects.

Noch zwei Kleidungsstücke und vier Taschen, dazu zwei Accessoires. Die Pailettenmütze wird eine harte Nuß, aber die Herausforderung nehme ich gerne an. Der Monat hat nur 30 Tage, das heißt ich muß in den verbleibenden 18 mindestens viermal ausgehen. Hmmm...

I'll be wearing you.
Zwei Maxikleider - check, es muß nur noch das Wetter mitmachen. Das weiße Etuikleid darf mal mit auf die Arbeit, jetzt da ich etwas Sonne gesehen habe schafft das Ding es sicher nicht mehr, mich blaß aussehen zu lassen. Die ärmellosen Seidentops schaffen es auch sicher, genauso wie das geblümte Kimonokleid von Zara. Sorgen mache ich mir um die marineblaue Tunika und den Lederrock. Aber hey, ich muß ja viermal was trinken gehen die nächsten zwei Wochen!

Post-Urlaubspanorama.

Hier fehlen alle Urlaubskleider, weil sie eine schwungvolle Runde in der WaMa drehen. Das Wetter spielt in den beiden Tagen, die ich wieder zu Hause bin, munter Aprilwahnsinn, eigentlich sollte jetzt Sommer sein in Deutschland. Meine Flattertops und Riemensandalen brauchen Auslauf, aber so wird das nichts Freunde! Deshalb sieht dieses Drittel vom Schrank wirklich noch deprimiert-dunkel aus.

Bla.

Das dynamischste in diesem Bild ist der Fokus, der springt nämlich. Ich würde ja gern ein paar neue Teile ergänzen, aber was mir als adäquat vorschwebt befindet sich nicht in meiner Preisklasse. Vielleicht sollte ich anfangen, Lotto zu spielen.

Katze mit Hut.

Undercover ist bildmittig das leichteste Sommerkleid zu sehen, was ich besitze. Es wiegt tatsächlich so gut wie nichts, man kommt sich deshalb sehr nackt darin vor, auch wenn es eigentlich recht lang ist. Der Hut muß nicht gewaschen werden, ich bezweifle daß er das überleben würde. Ansonsten nichts neues. 

Wenn ich mir allgemein die Fotos des Kleiderschrankes anschaue wird mir klar, wie unglaublich häßlich und unpraktisch dieses Möbelstück ist, obwohl es aus wirklich schönem Holz gemacht ist. Wann war es denn Mode, nur 45 cm breite Schießscharten-Abteile zu haben? Die Schubladenelemente passen auch nicht...

Schuhtechnisch keine Überraschungen:

Joa - guess what.

Vorboten des Sommers schleichen sich ein.

Das meiste ist beim Alten geblieben, nur die cremebeigen Keilsandaletten zeugen von einer regenfreien Phase. Ich hoffe der Sommer kommt bald, es wartet noch ein neues Paar Unisa-Sandaletten auf den ersten Lauf.

Das Ende naht, und ich überlege wie es danach weitergeht. Für Outfitfotos halte ich mich nicht fotogen genug, aber irgendwie kann das doch noch nicht alles sein. Es wird defnintiv ein Fazit geben, ich bin selbst gespannt wie es ausfallen wird.

Wir sehen uns nahe der Ziellinie!



22. Mai 2016

Inkonsequenzen tragen

Ah, ich liebe es wenn ein Plan funktioniert.

Vor knapp einem Jahr hatte ich nicht wirklich ein konkretes Bild über meine vorhandene Garderobe. Einige Kleidungsstücke und vor allem Schuhe (!) waren stets in den oberen, schwer zugänglichen Fächern meines enormen Einbauschranks versteckt (hallo 4 m hohe Decken!), andere in die viel zu kleinen Schubladen gequetscht oder werweißwo im Hausflur verstreut. Ich hatte keinen Plan, und vor allem in der noch immer etwas neuen Umgebung der Managementetage kein Stilbewußtsein für mich selbst. Also habe ich drei Jahre lang immer wieder die gleichen Anzüge und Hemden getragen, kombiniert mit "vernünftigen" Schuhen. Aber wie es nun mal so ist für sehende Wesen: wir werden langsam zu unserer eigenen Reflexion im Spiegel, und irgendwann habe ich mich selbst angeödet.

Statt in alte Muster zu verfallen und alles wieder neu anzuschaffen in der Hoffnung, durch identisches Verhalten ein neues Ergebnis zu erzwingen der Schritt in die andere Richtung. Seitdem fotografiere ich in unregelmäßigen Abständen mein Hab und Gut in unterschiedlichen Koordinaten. Was schon die Alten sungen und immer wieder auf Blogs und in Stilbibeln wiederholten ist einfach wahr: nutze das, was Du hast, und kombiniere es neu.

Soon...

Die letzte Volkszählung hat 22 Altteile und 7 Neuteile ergeben, die übrig sind. Ich bescheiße meine eigene Statistik, dazu aber später. Bei einem Neuteil bin ich mir dazu sicher, daß es erst wieder im Herbst zum Einsatz kommt, soviel Karenzzeit kann ich ihm geben. Die rote Leinenbluse von Uniqlo ganz links hat einen wasserblauen Zwilling, der sich sehr gut geschlagen hat. Gestern war ich auch absolut versucht, rot zu sehen, habe mich aber dann für die knallrote Sandro-Crossbodybag entschieden, die natürlich nicht auf dem Bild ist.

Sand und blau.

Less ist less, und die Farben der Khaleesi warten auf die letzten Tage. Für die Fünf stehen die Chancen sehr gut, die hellblaue Tunikabluse von Zara ist tatsächlich bestickt und ein wundervolles Urlaubsteil. Darunter eine khakifarbene Viskosehose (witziges Wort) von Esprit, das Ding wiegt quasi nichts und ist eine Art Flugzeughose für Indiana Jones-Reisende. 

Zu knapp kalkuliert.

Die Abendtäschchen bangen noch, ich muß mich ranhalten. In diesem Schuhschrank sollten eigentlich meine Freizeitschuhe sein, wenn ich die momentanen Temperaturen anschaue vermisse ich Sandaletten en masse. Die zweite Reihe von unten gehört eigentlich nebenan, einige Businessschuhe kommen wohl noch ins Saisonlager.

Neat 'n' pretty.

Oh, ich liebe diese Tasche. Die Form, die Farbe, der unpraktische Riemen über die Oberseite! Neben ihr ruht das einzige (!) Paar ungetragener Schuhe im ganzen Haus. Nehmen wir uns einen Moment um diese Tatsache zu würdigen. Ich bin stolz auf mich.

Beloved mess.

Kaum zu glauben wie viele Röcke ich habe, noch weniger daß ich alle anscheinend im vergangenen Jahr schonmal anhatte. Das Mustergame ist stark in diesem Schrank, und hin und wieder schleicht sich sogar ein Teil in meinen grausam grau-beige-navyblau-schwarzen Arbeitsalltag.

Oh so stille Wasser.

How to pimp your Arbeitskleidung: man nehme die Hose vom tintenblauen Nadelstreif, ein schwarzes Wasserfalltop mit kurzen Ärmeln und ein Paar Kittenheel-Slings mit Schleife. Hört sich verqueer an, sieht aber aus wie Carrie Bradshaw, als sie sich bei der Vogue um den "Job" beworben hat. Zumindest in meiner Wahrnehmung. Und das reicht mir!

My keeper.

Das dritte Abteil gehört mehr gewürdigt, beherbergt es doch alle Mäntel, die im Moment keiner haben will, und all die Kleider, die ich endlich ausführen muß. Ein Knäuel Sportklamotten zeugt von dem dieswöchigen Versuch, auf den Crosstrainer zu steigen. Ja, Sport hilft angeblich gegen schlechte Laune und Streß. Meine schlechte Laune kommt aber vom Gedanken an Sport, und der Streß vom Wissen, daß ich mich mehr bewegen sollte. Ich bin gescheitert und stolz drauf!

So long...

Das Ende naht, und kurz vor knapp fällt die Bilanz positiv aus, wenn auch nicht ganz. Man sollte meinen, daß der Shopping-Detox neben den ganzen Stil-und-Inspirations-Benefits auch den Effekt hätte, daß mein Konto fett wird. Nunja, nö. Mein Budget ist für diesen und nächsten Monat bereits aufgefressen - und für Juli auch. Bäm! 

Was mich so teuer kommt ist mein Geschmack - Späßle gmacht. Was wirklich Geld kostet ist der Wunsch nach dauerhaften Teilen, nach Qualität. Ich orientiere mich nicht an Trends, vielleicht fehlt mir dazu die Wandlungsfähigkeit. Unter all den Schichten Stoff bin ich immerzu ich, und ich bin der Meinung das gehört so. Wenn ich mich also aufmache, um eine gute schwarze Alltagstasche zu finden, die meine Anforderungen erfüllt, und diese endlich finde, dann gebe ich für sie auch gern mal knapp 300 € aus. Für manche ist das viel zu viel Geld, für manche die Portokasse, für mich ist es mehr als mein Monatsbudget. Aber damit kann ich leben. Entweder spare ich zu anderer Zeit, verkloppe mehr auf Ebay oder leiste Abbitte. Ich muß meine eigene Inkonsequenz tragen - wenn sie mir so gut gefällt und meinen Alltag um so viel angenehmer und schöner macht gerne.

8. Mai 2016

Zehn zu neunundzwanzig

Tempus fugit. Mein Experiment ist bald vorbei, und dankenswerterweise wird die Kleiderstange wie auch das Regal immer leerer. Bei der letzten Zählung der verbliebenen Teile stand es zehn zu neunundzwanzig: zehn neue Kleider, Hemden, Taschen, Schuhe, die ebenso um meine Aufmerksamkeit buhlen wie neunundzwanzig Kleidungsstücke, welche noch aus ihrem Schneewittchenschlaf wachgeküßt werden wollen bevor der lange Winter kommt.
Ick freu mir!

Mal sehen: da warten zwei Maxikleider auf den Sommer und die Zeit, in der ich wieder Kampfgewicht (= Bikinifigur) erreicht habe. Zwei leichte Etuikleider, ein Wickelkleid,zwei ärmellose Seidentops und ein beigefarbener Trenchcoat, der mir wundersamerweise inzwischen wieder passt. Um diese Stücke mache ich mir keine Sorgen. Komplizierter wird es bei den Röcken, die da noch hängen, sind sie doch eher Herbstware. Hm, es müssen halt auch Späne fallen.

The rest of them.

Nicht im Bild sind die vielen Mützen, welche ich rausgeschmissen habe. Mir reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit das eine Exemplar, das irgendwann im Januar mal zum Einsatz kam. Ein paar Tops und Hemden mußten gehen, wenn man nur lange genug auf einen Kleiderstapel starrt merkt man irgendwann, was man nicht leiden kann. Auf die Sachen hier freue ich mich aber, vor allem auf das Halstuch mit dem seltsamen Muster und das Pailettenbarett!

Take me there!

Dieses Foto sagt mir, daß ich bis Ende Juni dringend noch viermal ausgehen muß... vielleicht spiegelt die Ansammlung an kleinen Abendtaschen meine Sehnsucht wieder, die Abende seltener mit Wäsche waschen und Amazon Prime zu verbringen und stattdessen auf etwas zu hohen Schuhen von einer Bar zur nächsten zu stöckeln. Tja, kauf Dir ein Haus am Stadtrand und schon fängst Du an, spießig zu werden...


The full picture.

Bei den sommerlichten Temperaturen kamen die Sandalen von Unisa schneller zum Einsatz als gedacht, und sie haben nicht enttäuscht. Ein Gefühl als ob man auf einem Wildlederkissen läuft. Wobei ich noch nie auf einem Wildlederkissen gelaufen bin. Ich glaube das gibt's gar nicht, Wildlederkissen. Fensterschwämme, die macht man aus Wildleder. Aber "auf einem Fensterlederschwamm laufen" hört sich mal richtig dämlich an. Ich schweife schon wieder ab. Die Hitze. Besser ich trinke noch ein Radler, mit irgendwas muß ich den Gin Tonic von eben verdünnen...

Future on top.

Neat, fein säuberlich die Alltagsparade. Wer genau aufgepaßt hat sollte bemerken daß die schwarzen spitzen hohen Pumps kleinlaut ins andere Abteil gewandert sind. Ich hatte sie einen halben Tag im Büro an (ein Paar Ballerinas zum Cheaten in der Handtasche dabei) und war froh, als ich wechseln konnte. Und das lag nicht ausschließlich an dem Spaziergang, den eine Kollegin während der Mittagspause über den nächsten Feldweg machen wollte! Ja, die Vorteile daran, in der Provinz zu arbeiten. Blühende Felder, Omas mit Kopftuch verkaufen Erdbeeren an der Straße und manchmal stinkt es nach Landwirtschaft. Immerhin findet man leicht einen Parkplatz.

Leichtes Durcheinander.

Die Hitze macht träge - wenn ich ehrlich bin macht mich so ziemlich alles träge, scheint mein Grundzustand zu sein - und ich hab mich bisher nicht aufgerafft, den Konflikt zwischen den Handtaschen und den Hosen zu befrieden, welchen jene Parteien seit einer Weile auf dem Ablagebrett im linken Kleiderschrank ausfechten. Ach, verschieben wir's auf morgen.

Wait for it...

Was freu ich mich darauf, die knallrote Leinenbluse in dieses neutralfarbene Einerlei zu knallen! Bäm! Wie der rote Lippenstift in einem schwarzen Outfit! Wie der türkisfarbene Nagellack auf gebräunten Händen! Ich glaub ich brauch Urlaub!

The forgotten world.
Eigentlich fies, aber das Abteil wird nicht mehr gebraucht. Momentan will keiner Mäntel tragen, und die hierhin verbannten Anzüge kommen erst in einigen Wochen zum Einsatz. Obendrin sind Winterschuhe, eigentlich könnte das ganze auch auf den Dachboden. Da leben allerdings die Siebenschläfer, und denen traue ich nicht.

Wenn ich auf den Kalender schaue bleiben gerade mal etwas mehr als sieben Wochen Zeit, um die verbliebenen 29 Teile zu tragen und so vorm Exitus zu retten. Das sind zwar nur ungefähr vier pro Woche, da aber unter anderem ein bodenlanges Seidenkleid und eine Discokugel-Clutch darunter sind wird die Aktion doch eine ziemliche Herausforderung. Dem Ende so nahe wundern mich trotzdem einige Details:

- trotz stetem Zustrom passen immer noch alle meine Kleidungsstücke in die drei Schrankabteile. Das kann nur bedeuten, daß sich die Abgänge in einer ähnlichen Größenordnung aufhalten. Was ich aussortiere fotografiere ich nicht oder nur selten, da ich eigentlich keinen Bildbeweis meiner ehemaligen, schlechten Entscheidungen brauche. Alternativ könnte sich auch im Rücken des Kleiderschranks ein schwarzes Loch befinden. Ich habe jedoch keine Schwankungen der Gravitation wahrgenommen, seit wir hier wohnen. Also eher unwahrscheinlich.

- die Bedenken sind weg, ich könnte etwas Tolles aussortieren oder übriglassen. Ich war der Ansicht, diese Geisteshaltung sei ein Fazit, eine Art Teilnahmeurkunde, die ich am Ende des Experiments erhalte. Scheint so, als lernt man wirklich fürs Leben, auf dem Weg.

- da sind noch tolle Teile auf der Stange - und ich freu mich auf sie genauso wie auf das, was im Schrank hängt! Vielleicht liegt es auch am schönen Wetter die letzten Tage, aber diese Woche stand ich ausnahmslos vorm Schrank und dachte "ich weiß echt nicht, was ich anziehen soll - ich hab Lust auf alles!"

Schöne Sache. Stay tuned!






24. April 2016

Well well well...

Tempus fugit, und mit ihr die Teile auf meiner Kleiderstange. Vor knapp vier Wochen habe ich, völlig frühlingsgefühlbesoffen, bereits die leichten Kleider und Tops rausgeräumt. Heute soll es schneien. Super gelaufen mal wieder.

Was vom Winter übrig blieb...

Das Foto zeigt, was eventuell den Sprung in den Kleiderschrank nicht mehr schaffen wird, da der Winter außer einem kleinen Intermezzo kommende Woche hoffentlich erstmal vorüber ist. Bis auf den schwarzen Lederrock sind es eigentlich keine Kleidungsstücke ausschließlich für die kalte Jahreszeit, aber ich trage dunkle Kleidung nunmal eher wenn die Tage kürzer sind. Wie wohl die Mehrheit der Menschheit. 

...plus die ungetragenen Sommerkleider...

Addiert man die noch ungetragenen Sommerkleider dazu ist die Stange doch wieder ganz gut belegt. Zur Erinnerung: die Sachen müssen bis Ende Juni getragen worden sein, sonst müssen sie weichen. Bei den taupefarbenen Stiefeln habe ich Sorgen, daß das wirklich nichts mehr wird, bei der roten Schultertasche nicht. Auch das bodenlange Seidenkleid war noch nie im Einsatz, aber ich werde es mit Zähnen und Klauen verteidigen! Und wenn ich es zum Wochenmarkt trage! Stil ist eine Geisteshaltung.


Waiting for the world to change.

Tadah, die Neuankömmlinge. Drei Paar Sandalen, ärmellose Hemden und Kleider mit unterschiedlicher Armlänge von 4/4 bis -1/2. Das schwarzweiße Spaghettiträgerkleid von Zara ist eigentlich ein alter Bekannter, nur habe ich beschämenderweise eine Weile lang nicht reingepasst... eine ziemliche Weile. The times are a-changing.

Sommer- versus Winterpalast.

Woot-woot, der Kaschmirschal neben dem Batiktop sieht wirklich dämlich aus. Ganz links die letzten Überbleibsel gegen Eis und Schnee, Mitte und rechts die hauchdünnen Textile für sengende Hitze und die gelegentliche salzige Brise. Noch habt ihr zwei Monate.

Glitzernde, lackierte und samtige Handzierde.

Die letzten Taschen, klassisch neben ausgetickt, und trotzdem freue mich auf bei allen gleichermaßen auf ihren Einsatz. Ob in die kleine wohl mein Handy reinpasst? Sie war seit der Zeit der Klapphandys nicht mehr im Einsatz. Oh, ich will wieder ein Klapphandy, das hatte einfach Style. Motorola RAZR, anyone?

Domino-Anschlußbild.

Platz im Schuhschrank für die beiden Sneaker, die sich im Haus rumtreiben. Ich dachte eigentlich, daß 32 aktive Paare nie im Leben reichen für die Auswahl, die ich gern hätte. Pustekuchen, anscheined komme sogar ich mit weniger aus. Die taupefarbenen Nietenpumps von Zara durften letzte Woche wieder ihren verschlungenen Weg auf dem Kopfsteinpflaster der Innenstadt suchen, und ich bin beeindruckt daß ich auch nach drei recht heftigen Cocktails noch grazil Richtung Mitfahrgelegenheit gestöckelt bin.

Managers just wanna have fun.

Neu im Kreise das dunkelbraune Loaferpaar Mitte unten rechts (?) von Esprit. Merke: wenn Du neue, flache Schuhe hast, die aber spitz zulaufen, sind Deine Füße BEDEUTEND länger als Du denkst. Wenn schon die Treppe hochfliegen dann zu Hause, nicht in der Firma. Wer will schon Zeugen.

Behold the Mittelkonsole.

Was drin steht ist schön, aber diese häßliche Öffnung in der Rückwand macht den Teil des Kleiderschranks eigentlich unfotografierbar. Die schwarze Ledertasche ist Ebay zum Opfer gefallen, ich bin aber froß daß sie weg ist, sie hat mich genervt. Einen Ersatz habe ich schon gefunden, und freue mich jeden Tag daran. Das ist auch besser, bei dem Geld das ich dafür ausgegeben habe...

Gemustert, gemuster, gemustert sind alle meine Kleider...
Was man so alles über sich lernt bei einem Garderobenexperiment:

- ich mag kleine Muster
- ich mag abstrakte, geometrische Mster
- ich komme mit feinen Streifen nicht klar
- ich kann kein weiß tragen, außer ich habe ein absolutes Minimum an Farbe abbekommen
- ich habe mit den Jahren eine Nulltoleranz gegen Polyester bei Oberteilen entwickelt
- in meiner Freizeit bin ich gern als Hippie oder 70er-Chick unterwegs

All work and no play.

Ich suche hier den Hippie und die 70er vergeblich, dabei könnte ich letztere sicher irgendwie in mein work attire einschmuggeln. Immerhin ist hier eine ockerfarbene Hose dazugekommen, auf die mich meine Kolleginnen schon angesprochen haben. Das nehme ich mal als gutes Zeichen mit.

Yello!

Der gelbe Bouclémantel, meistbegehrtes Teil in meiner Garderobe (wenn ich die Kommentare von Besuchern bedenke) war tatsächlich im Einsatz. Gerade bei ihm bin ich sehr verwundert, wie lange es gedauert hat, springt einem die Farbe doch sofort ins Auge. Im Oberstübchen habe ich entrümpelt und die selten genutzen Sportklamotten (Softshell-Jacke, Bergsteigerhose, Langlaufequipment, Regenjacke) in den Keller zu den Skischuhen und dem Kletterzeug gebracht. Wenn ich mal wieder in die Loipe will ist es praktisch, alles ist bereits am gleichen Platz versammelt.

Wie geht's jetzt weiter? Noch zwei Monate, dann ist Sabbath sozusagen. Was bis dahin nicht rein ist in die Kartoffeln muß streng nach Regeln weg. Viel ist es nicht mehr, ich sortiere aber auch immer mal wieder aus, wenn ich ein Teil wiederholt mit Mißmut betrachte. Wenn man alles ungetragene ständig vor sich sieht kristallisiert sich relativ bald heraus, was man wirklich von dem Zeug hält. Habe ich Angst, daß die Gelegenheit zum Auftragen nicht mehr kommt, oder nervt mich der Anblick irgendwann, weil die Kombinationsmöglichkeit fehlt oder das Teil nicht richtig passt oder weil die Qualität einfach Scheiße ist?

Ich lasse mich auch wieder zu einem Zwischenfazit hinreißen: diesen Monat habe ich nur zwei ärmellose Tops gekauft, die ich im Büro tragen werde. Letzten Sommer waren irgendwann drei Teile in heavy rotation, weil ich mitten in der Hitzewelle beschlossen habe, daß ich meine Bottom-Down Kurzarmhemden überhaupt nicht leiden kann. Die neuen beiden sind außerdem in leuchtenden Farben, weil meine Arbeitsgarderobe auch gut als Camouflage-Spektrum für den urbanen Dschungel dienen könnte. Fifty shades of neutral. Würgs.

Ansonsten war: nichts. In meinem Polyvore liegen ein paar Teile auf Wiedervorlage, aber im Moment habe ich keine Motivation, sie herzuordern. Bei einem Mädel auf Youtube habe ich eine rote Crossbodybag gesehen und verstanden, daß ich sowas schon ewig will und mir eine kleine bunte Umhängetasche schmerzlich fehlt - was ich bereits habe ist ausschließlich schwarz. Aber auch dafür habe ich Zeit. Fühlt sich extrem gut an.