8. Mai 2016

Zehn zu neunundzwanzig

Tempus fugit. Mein Experiment ist bald vorbei, und dankenswerterweise wird die Kleiderstange wie auch das Regal immer leerer. Bei der letzten Zählung der verbliebenen Teile stand es zehn zu neunundzwanzig: zehn neue Kleider, Hemden, Taschen, Schuhe, die ebenso um meine Aufmerksamkeit buhlen wie neunundzwanzig Kleidungsstücke, welche noch aus ihrem Schneewittchenschlaf wachgeküßt werden wollen bevor der lange Winter kommt.
Ick freu mir!

Mal sehen: da warten zwei Maxikleider auf den Sommer und die Zeit, in der ich wieder Kampfgewicht (= Bikinifigur) erreicht habe. Zwei leichte Etuikleider, ein Wickelkleid,zwei ärmellose Seidentops und ein beigefarbener Trenchcoat, der mir wundersamerweise inzwischen wieder passt. Um diese Stücke mache ich mir keine Sorgen. Komplizierter wird es bei den Röcken, die da noch hängen, sind sie doch eher Herbstware. Hm, es müssen halt auch Späne fallen.

The rest of them.

Nicht im Bild sind die vielen Mützen, welche ich rausgeschmissen habe. Mir reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit das eine Exemplar, das irgendwann im Januar mal zum Einsatz kam. Ein paar Tops und Hemden mußten gehen, wenn man nur lange genug auf einen Kleiderstapel starrt merkt man irgendwann, was man nicht leiden kann. Auf die Sachen hier freue ich mich aber, vor allem auf das Halstuch mit dem seltsamen Muster und das Pailettenbarett!

Take me there!

Dieses Foto sagt mir, daß ich bis Ende Juni dringend noch viermal ausgehen muß... vielleicht spiegelt die Ansammlung an kleinen Abendtaschen meine Sehnsucht wieder, die Abende seltener mit Wäsche waschen und Amazon Prime zu verbringen und stattdessen auf etwas zu hohen Schuhen von einer Bar zur nächsten zu stöckeln. Tja, kauf Dir ein Haus am Stadtrand und schon fängst Du an, spießig zu werden...


The full picture.

Bei den sommerlichten Temperaturen kamen die Sandalen von Unisa schneller zum Einsatz als gedacht, und sie haben nicht enttäuscht. Ein Gefühl als ob man auf einem Wildlederkissen läuft. Wobei ich noch nie auf einem Wildlederkissen gelaufen bin. Ich glaube das gibt's gar nicht, Wildlederkissen. Fensterschwämme, die macht man aus Wildleder. Aber "auf einem Fensterlederschwamm laufen" hört sich mal richtig dämlich an. Ich schweife schon wieder ab. Die Hitze. Besser ich trinke noch ein Radler, mit irgendwas muß ich den Gin Tonic von eben verdünnen...

Future on top.

Neat, fein säuberlich die Alltagsparade. Wer genau aufgepaßt hat sollte bemerken daß die schwarzen spitzen hohen Pumps kleinlaut ins andere Abteil gewandert sind. Ich hatte sie einen halben Tag im Büro an (ein Paar Ballerinas zum Cheaten in der Handtasche dabei) und war froh, als ich wechseln konnte. Und das lag nicht ausschließlich an dem Spaziergang, den eine Kollegin während der Mittagspause über den nächsten Feldweg machen wollte! Ja, die Vorteile daran, in der Provinz zu arbeiten. Blühende Felder, Omas mit Kopftuch verkaufen Erdbeeren an der Straße und manchmal stinkt es nach Landwirtschaft. Immerhin findet man leicht einen Parkplatz.

Leichtes Durcheinander.

Die Hitze macht träge - wenn ich ehrlich bin macht mich so ziemlich alles träge, scheint mein Grundzustand zu sein - und ich hab mich bisher nicht aufgerafft, den Konflikt zwischen den Handtaschen und den Hosen zu befrieden, welchen jene Parteien seit einer Weile auf dem Ablagebrett im linken Kleiderschrank ausfechten. Ach, verschieben wir's auf morgen.

Wait for it...

Was freu ich mich darauf, die knallrote Leinenbluse in dieses neutralfarbene Einerlei zu knallen! Bäm! Wie der rote Lippenstift in einem schwarzen Outfit! Wie der türkisfarbene Nagellack auf gebräunten Händen! Ich glaub ich brauch Urlaub!

The forgotten world.
Eigentlich fies, aber das Abteil wird nicht mehr gebraucht. Momentan will keiner Mäntel tragen, und die hierhin verbannten Anzüge kommen erst in einigen Wochen zum Einsatz. Obendrin sind Winterschuhe, eigentlich könnte das ganze auch auf den Dachboden. Da leben allerdings die Siebenschläfer, und denen traue ich nicht.

Wenn ich auf den Kalender schaue bleiben gerade mal etwas mehr als sieben Wochen Zeit, um die verbliebenen 29 Teile zu tragen und so vorm Exitus zu retten. Das sind zwar nur ungefähr vier pro Woche, da aber unter anderem ein bodenlanges Seidenkleid und eine Discokugel-Clutch darunter sind wird die Aktion doch eine ziemliche Herausforderung. Dem Ende so nahe wundern mich trotzdem einige Details:

- trotz stetem Zustrom passen immer noch alle meine Kleidungsstücke in die drei Schrankabteile. Das kann nur bedeuten, daß sich die Abgänge in einer ähnlichen Größenordnung aufhalten. Was ich aussortiere fotografiere ich nicht oder nur selten, da ich eigentlich keinen Bildbeweis meiner ehemaligen, schlechten Entscheidungen brauche. Alternativ könnte sich auch im Rücken des Kleiderschranks ein schwarzes Loch befinden. Ich habe jedoch keine Schwankungen der Gravitation wahrgenommen, seit wir hier wohnen. Also eher unwahrscheinlich.

- die Bedenken sind weg, ich könnte etwas Tolles aussortieren oder übriglassen. Ich war der Ansicht, diese Geisteshaltung sei ein Fazit, eine Art Teilnahmeurkunde, die ich am Ende des Experiments erhalte. Scheint so, als lernt man wirklich fürs Leben, auf dem Weg.

- da sind noch tolle Teile auf der Stange - und ich freu mich auf sie genauso wie auf das, was im Schrank hängt! Vielleicht liegt es auch am schönen Wetter die letzten Tage, aber diese Woche stand ich ausnahmslos vorm Schrank und dachte "ich weiß echt nicht, was ich anziehen soll - ich hab Lust auf alles!"

Schöne Sache. Stay tuned!






Kommentare:

  1. Habe ich schon erwähnt, dass ich Hochachtung vor deinem Durchhaltevermögen habe? Ich fühle mich inspiriert und gleichzeitig schuldig..habe aber immerhin schon nach Flohmärkten für Damen in meiner Nähe gesucht, um meine Fehlkäufe loszuwerden. Aber da geht es immer nur um offensichtliches, nicht um das wirklich konsequente ausräumen und versuchen, alles wirklich auf den Prüfstand zu stellen. Hm. Vielleicht, wenn ich bald meinen neuen Schrank kaufe..... .

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    1. Wow, ich weiß gar nicht was ich sagen soll... Danke! Dein Kommentar motiviert mich wirklich, weiterzumachen. Ich weiß, mein Blog ist winzig und hat schreckliche Fotos, aber manchmal habe ich das Gefühl ich führe Selbstgespräche. Es freut mich, wenn ich Dich inspirieren konnte. Fühl Dich nicht schuldig bitte, nimm es lieber als Motivation wahr und ein Zeichen, daß Du etwas ändern möchtest. Jede Veränderung fängt im Kopf an, den ersten Schritt hast Du längst gemeistert. ;-)

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