2. Juli 2016

Was vom Jahre übrigblieb


Ein Jahr. Ein ganzes Jahr. Ungezählte Kleidungsstücke, Neuzugänge und Aussortierte haben Kleiderstange, Schuhschrank und Ankleidezimmer gesehen in dieser Zeit. Viel Aufwand, der sich aber gelohnt hat: ich habe wieder Spaß an meiner Kleidung und endlich, endlich wieder "etwas anzuziehen" nach all dem Chaos. Vorher-Nachher-Bilder gefällig?

This is where we started...

this is where we are.

Wie Sie sehen sehen Sie wenig. Kaum zu fassen,aer ein gutes Drittel der Mittelkonsole ist für Bettwäsche und Badetücher frei geblieben, und wenn ich die Ablageflächen auf den Schuhschränken mitnutze wird hier noch mehr frei. Eindrucksvoller ist das Bild mit geöffneten Türen:

Alles meins... alles meins!

Da die Türen nicht freiwillig offenbleiben durften drei Pumps aushelfen. Das ist jetzt also mein ganzer Besitz in Sachen Garderobe - minus die Schuhe in Nutzung, die sich im Schuhschrank befinden. Ganz oben auf den Brettern habe ich die Winterschuhe verstaut, auch die eine oder andere Handtasche im Staubbeutel. Die Höhenunterschiede der Kleiderstangen werden mir jetzt zum ersten Mal bewußt, leider ist neben dem Schubladenelement wirklich viel Platz verschenkt. Ganz links sind Freizeitklamotten, auf dem Brett oberhalb der Stange alle Hosen und Shorts, daneben Clutch-Taschen. Ich habe einige. Darunter gefaltete Tops und Pullover, zur Zeit nur federleichte. In der Mitte meine Arbeitsgarderobe, die um einiges farbenfroher und attraktiver geworden ist. Die rechte Seite ist bevölkert von Sportklamotten und Pyjamas (oder was ich stattdessen trage) auf dem Brett, darunter Sommerkleider, Lederjacken, Mäntel und mein Kimono. Zwei Paar Stoffschuhe und meine Schlappen warten ganz unten auf sporadische Ausflüge.

Weiter geht's mit der Panorama-Ansicht:
Haufen!

Einer muß immer der letzte sein.

Wow, was für eine schiere Menge! Damals hatte ich noch zwei große Klapp-Kleiderstangen im Einsatz, und sie haben sich unter ihrer Last durchgebogen. Am Stichtag, den 30. Juni, hing nur noch eine verlegen aussehende ärmellose Seidenbluse auf dem letzten Bügel. Sie ist und bleibt mir zu klein. Das habe ich hoffentlich gelernt: geknöpfte Oberteile müssen Spiel haben und sehr gut sitzen, denn die Oberweite spielt prinzipiell gegen Dich.

So sah es hier vor einem Jahr aus.

Status quo, 30. Juni 2016.

Stapelweise Kleidung, die laut Volumenrechnung niemals in den Kleiderschrank passen kann. Heute sind viele der Teile nicht mehr bei mir, trotz munterem Einkaufen muß ich meine Garderobe also reduziert haben. Die beige-schwarze Tasche ist zur Zeit im Einsatz, und ich finde es extrem entspannend, einen Platz für sie zu haben. Der hintere Schrank ist übrigens leer, mal sehen wo er eine neue Aufgabe in unserem Haus findet. Wollen wir mal die Schuhe anschauen?

My precious.

Toll, ich sehe die Sammlung und hab soviel Auswahl, wie ich immer wollte. Sogar nicht-schwarze Arbeitsschuhe sind dabei! Das wichtigste ist jedoch: jeder, wirklich jeder Schuh, der in meinen Schränken steht, ist bequem. All die schicken Treter, die mich nach ein paar Stunden gequält haben, sind passé.

Welches Resümée kann ich nach einem Jahr ziehen? Fangen wir mal von vorne an. Was war meine Motivation? Was hab ich gelernt und was nicht?

Ich hatte keinen Überblick mehr über meine Garderobe.
Das hat sich radikal geändert, siehe Fotos oben. Es ist nicht nur alles übersichtlich angeordnet, dadurch daß ich alles die letzten 365 Tage mindestens einmal getragen habe bin ich mit meinen Kleidungsstücken jetzt wieder per Du.

Schrankleichen nahmen Platz weg, den ich brauchte.
Die toten Teile sind alle rausgeflogen. Vielleicht auch das ein oder andere scheintote, was solls. Bei ein paar Kategorien habe ich mir einfach eine Maximalzahl gesetzt und den Rest entsorgt. Klingt radikal, bringt aber zum Vorschein was man wirklich braucht und was man eigentlich nur hat.

Ich stand vorm Schrank und hatte nichts anzuziehen.
Da ich ein guter Kombinierer bin war das wirklich seltsam. Während des Experiments gab es jedoch einige Augenblicke, als mit der Geistesblitz aus dem Nichts traf. Ich hielt ein Teil in der Hand und begriff plötzlich: ich kann Dich nicht leiden. Aus unterschiedlichen Gründen: es war an einer Stelle zu eng, es war formlos, es war nicht meine Farbe. Ganz egal, aber unterschwellig produzierte es allein beim Anschauen schlechte Laune. Heute will ich am liebsten alles tragen.

Fehlkäufe sind die Pest.
Mottet man den Schrank aus kann man auch die Fehlkäufe alle mal auf einen Haufen werfen. Das ist ein sehr aufschlußreicher Prozeß, weil man sich Gedanken machen muß, was einen Fehlkauf ausmacht. Bei mir war meist die Farbe oder die Qualität das Problem, während der Zeit habe ich mir eine Shopping-Blacklist geschrieben. Darauf die Marken, die mich in bestimmten Kategorien (oder allen) fast immer enttäuscht haben. Ihr verführt mich also nicht mehr.

Was ist mein Stil?
So aneinandergereiht und auf Fotos festgehalten kann man den Hinweisen auf die eigenen Vorlieben eigentlich gar nicht entkommen. Ich scheine kleine Muster zu lieben, Blautöne, möglichst fließende Kleidung, grobes Leinen und Erdtöne bei Ledertaschen. 

Spaß an Mode, geht das?
Hand aufs Herz: ich wollte mich für immer vom Thema "Kreativ mit Kleidung" verabschieden und mein Leben in der Arbeitsuniform (Hosenanzug) und der Freizeituniform (Jeans und T-Shirt) fristen. Möglichst alles in Neutralfarben, weil es so leicht zu kombinieren ist. Das ist heute anders: das Experiment zwingt zum Umdenken und Ausprobieren. Ockergelbe Print-Capri mit lilafarbenem Uboot-Top? Hochgekrempelte Khakibluse mit rostrotem Faltenrock? Wäre ich von allein nicht darauf gekommen. Dabei bewundere ich diese Kombinationen immer in Frauenzeitschriften oder Modekatalogen - ich bin schon ein Rindvieh.


Und wie geht es weiter? Die Kleiderstange wandert ins Gästezimmer, der Blog in die Versenkung? Nein, ich habe vor, mich weiter lose mit diesem und anderen Themen zu beschäftigen und auch darüber zu schreiben. Den Shopping-Kompass (aka Blacklist) möchte ich noch ein wenig pflegen und dann kommentiert hier einstellen. Vielleicht ist meine Makeup-Sammlung mein nächstes Ziel?













Eins noch: ich wollte Danke sagen an die Leser, die meine Post kommentiert haben. Das motiviert und bedeutet mir viel, freue ich mich doch sehr daß jemand Interesse an meinem kleinen Experiment hat und vielleicht sogar einen Nutzen daraus zieht. Und sei es nur die Idee, daß eine Frau ein ganzes Jahr gebraucht hat, nach dem Umzug ihren Kleiderschrank einzuräumen. :-)


Kommentare:

  1. Du hast mich auf jeden Fall inspiriert! Danke dafür-ich freue mich, mehr von dir zu lesen.

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  2. Ich kann mich Franziska nur anschließen. Es war spannend dir dabei zuzusehen. Ich habe inzwischen ein ähnliches System. Alle Kleidungsstücke sind auf dem Kleiderbügel aufgehangen. Dieser zeigt in die falsche Richtung. Habe ich das Kleidungsstück getragen, wird der Kleiderbügel richtig herum aufgehangen. So sehe ich eindeutig meine Lieblinge und welche Kleidungsstücke ich nicht mag. Meist ist wie bei dir der Grund, dass sie an einer Stelle zu eng sind, die Farbe nicht 100% passt oder ich den Stoff nicht mag. So konnte ich schon ordentlich ausmisten, was mir bisher viel zu schwer gefallen ist.

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  3. Ich kann mich Franziska nur anschließen. Es war spannend dir dabei zuzusehen. Ich habe inzwischen ein ähnliches System. Alle Kleidungsstücke sind auf dem Kleiderbügel aufgehangen. Dieser zeigt in die falsche Richtung. Habe ich das Kleidungsstück getragen, wird der Kleiderbügel richtig herum aufgehangen. So sehe ich eindeutig meine Lieblinge und welche Kleidungsstücke ich nicht mag. Meist ist wie bei dir der Grund, dass sie an einer Stelle zu eng sind, die Farbe nicht 100% passt oder ich den Stoff nicht mag. So konnte ich schon ordentlich ausmisten, was mir bisher viel zu schwer gefallen ist.

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