27. Mai 2018

Level up

Einige Worte haben es vom Deutschen in andere Sprachen geschafft, so spricht der Franzose vom Rollmops und Rucksack (wenn auch ohne das zweite k), die englischsprachige Welt vom Zeitgeist und Kindergarten. Wenn es um die Naturwissenschaften geht is ein sprachlicher Exportschlager das Gedankenexperiment, und ein solches setze ich gerade aus der Theorie in die Praxis um.

Man stelle sich folgendes vor: von heute auf relativ bald (sagen wir morgen) verliere ich von meinen gefühlt zehn Kilo Übergewicht ganze elf. Entsprechend ändern sich Konfektionsgröße und Figur. Die Frage lautet: welchen Teil meines Kleiderschrankes liebe ich so sehr daß ich ihn zum Schneider trage um ihn umnähen zu lassen, und welchen entsorge ich?

Ich will keine Diskussion über Körpergewicht lostreten, oder die Sinnhaftigkeit des BMI. Mein Hausarzt und mein Gefühl sagen mir schon lange daß ich zu viel Gewicht mit mir rumschleppe und gesünder und bewußter essen sollte, mit mehr Bewegung und höherer Flüssigkeitsaufnahme. In den letzten neun Monaten habe ich genau dies getan, allerdings nicht für mich sondern für ein kleines Bündel Glück daß gerade neben mir schläft. Meine kleine Tochter.

Und an dieser Stelle wird das Gedankenexperiment Realität, denn ich hatte eine sowohl entspannte als auch völlig ungewöhnliche Schwangerschaft, in der ich kein Gramm zugenommen habe. Klingt komisch, ist aber so: nach der Geburt war ich plötzlich neun Kilo leichter, nach ein paar Tagen Stillen hat sich mein Gewicht nun auf elf Kilo minus eingependelt. Und die verteilen sich gut, mein Bauch ist noch etwas weich, ansonsten ist aber alles geschrumpft: Beine, Arme, Bauch auch, selbst mein Gesicht ist schmaler geworden. Kurz, ich sehe aus wie zu Beginn des Studiums. Kinder kriegen als Jungbrunnen. Sachen gibts.

Jetzt stehe ich vorm Kleiderschrank und nix passt, respektive die "schmalen" Hosen sind jetzt bequem und alles andere rutscht mir vom Hintern. Ich habe nach wie vor kein Untergewicht, aber wenn man eine bis zwei Größen zu groß trägt sieht man automatisch etwas ausgemergelt aus. Ich habe noch nie im Zusammenhang mit meiner Person das Wort "Hungerhaken" gehört, diese Woche hat sich das geändert. Vorteil: ich darf und muß Klamotten shoppen. Nachteil: ich muß Klamotten shoppen.

Machen wir also das Beste draus und gehen die ganzen Bretter, Stangen und Schubladen nochmal durch. Marie Kondo fragt, ob ein Teil Freude erzeugt wenn man es anfasst, das ist ihr Kriterium für die "keepers". Mein Ansatz geht einen Schritt weiter: gebe ich nochmal Geld aus um das ändern zu lassen oder nicht? Meine Strategie sind im Moment drei Haufen (ich arbeite gern mit Listen, Haufen und Flußdiagrammen):

- oh mein Gott auf keinen Fall kann ich drauf verzichten das kommt sofort zum Schneider
- brauch ich gerade nicht, sollte ich mal aufbewahren weil ich eventuell ja doch wieder zunehme
- meh

Der dritte kommt natürlich gleich weg, der zweite wird in Kisten verpackt und der erste kommt zum Schneider. Ich überlege wieviele "zu groß"-Kisten ich anlege, zu viele dürfen es nicht sein...

"Haben Sie die Person erkannt?" - "Nein, sie hat eine Maske getragen."

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