14. Oktober 2009

Tischsitten

Tag zehn - Waitomo

Als europäischer Stadtbewohner kann man sich kaum davon abhalten, ständig die Landschaft zu fotografieren, was naturgemäß absolut nicht funktioniert. Selbst meine Finepix kann all die sanft gewellten Hügel, teilnahmslosen Kühe und Wiesen, die mit 120 Sachen am Beifahrerfenster vorbeischießen, nicht angemessen erfassen.



Da das Wetter gerade schlechte Laune hatte bot sich ein Besuch der Waitomo-Höhlen an. Sechzig Meter unter Tage führt der kaum beleutete Spiralgang hinter einer schweren rostigen Eisentür in das Wirrwarr der Ruakuri-Tropfsteinhöhle. Die hat ihren Namen von zwei wilden Hunden, die damals ein paar Maori anfielen, vom ganzen Stamm dann gejagt, getötet und - aufgegessen wurden.
Ganze Arbeit sozusagen.



Ja, das sieht albern aus. Deshalb musste es unbedingt in den Blog.

13. Oktober 2009

Haere mai

Tag neun - Auckland, Neuseeland

Der Tag ging fast komplett für Transfer und Einreise drauf. Sehr ins Auge fallen die Maori, sozusagen die Ureinwohner Neuseelands, auch wenn sie erst vor 800 Jahren die Insel besiedelt haben. Eine freundliche Maori hat uns dann auch unsere Rostlaube von Mietwagen übergeben - die Motorhaube voller Steinschläge, der Lack auf einer Seite von der Sonne ausgeblichen, Dellen im Kofferraum. Ich liebe das Ding.

11. Oktober 2009

Planlos in Melbourne

Tag acht - Melbourne

Vor die Wahl gestellt, entweder Sightseeing zu machen oder Shoppen zu gehen entschied sich die (dominantere) Minderheit für letzteres. Heißt soviel wie: zwei Mädels gingen shoppen, alle anderen blieben im Motel, entspannen, planen, die Ruhe genießen.

Der Kartenautomat eines dieser Gesellen fraß tatsächlich all meine Münzen, ohne Wechselgeld herauszugeben:



3.70 AUD für ein Tagesticket, umgerechnet fast 2 Euro. Peanuts also. Trotzdem ärgert es den Schwaben.

Sushi scheint an jeder Straßenecke verfügbar zu sein, es ist der australische Döner sozusagen. Macht leider sehr satt, sehr schade, wenn man die vielen süßen Leckereien in den Schaufenstern betrachtet... Ich gebe zu, ich habe schon wieder Schuhe gekauft, aber ich kann das mit mir vereinbahren.

Die Shopping Spree endete in einer Outletmall mit diesen bunten Gesellen hier:



Außer dem Cinnamon Sugar links oben habe ich alle bereut...

10. Oktober 2009

Errol Street

Tag sieben - auf der Great Ocean Road bis Melbourne

Unser freundlicher Motelbesitzer hatte gestern Abend noch Milchtüten verteilt - vielleicht, um die freundliche Motelkatze zu füttern. Eigentlich war die gar nicht so freundlich, sondern eher etwas durchgeknallt und angriffslustig. Ich hoffe der Kratzer entzündet sich nicht.

Sollte ich meinen Job mal satt haben (also zu Zeiten, in denen ich einen regulären Job habe) werde ich mir hier eines der Strandhäuser kaufen und bissige kleine Kurzgeschichten verfassen. Selbstfotografie funktioniert - manchmal.



Der Lonely Planet Guide führte uns zum Mittagessen ins "Growlers" aus: Terrasse mit direktem Blick auf den Strand, an der Uferpromenade gelesen, Livemusik, Lingiuni mit Riesengarnelen und Jacobsmuscheln, ein sagenhafter Chardonnay und exzellenter Espresso - ich habe versucht, mich hinter der Bar zu verstecken, um hier heimlich wohnen zu bleiben, aber leider hat mich meine Reisegesellschaft vermisst.

Im Abendrot tauchte glitzernd Melbourne am Horizont auf, um uns gleich mal in die Warteschlange auf den Stadtautobahnen zu schicken. Das per Zufall gewählte Hotel machte dies aber mit einem Jakuzzi und Kronleuchtern an der Backsteindecke wieder wett - obwohl, ein wenig seltsam ist das schon.

Die Ladys in Weinlaune:



Und hier die Gentlemen:



Der Wein kam diesmal aus Neuseeland, ein Grund mehr, sich auf unser nächstes Etappenziel zu freuen. Kombiniert mit einem Salat aus Rucola, Fenchel, Birne und Sherryessig ein guter Grund, in high spirits zu sein.

9. Oktober 2009

Christliche Seefahrt

Tag sechs - auf der Great Ocean Road bis Port Cambell

Zu diesem Unsinn fehlen mir ein wenig die Worte.



Ich wußte nicht, daß Spaghetti ein Frühstücksgericht sind. Die Luft ist noch recht frisch am Morgen, besonders an der Küste. Von einer Bucht zur nächsten wurden die Wellen immer höher, sogar ein paar wagemutige Schwimmer und Surfer waren auszumachen. Einige Abschnitte des Strandes sind unberührt, weil keine Wege durch die Klippen hinunterführen, nur die Spuren der Möwen sind zu sehen.

Die Bucht der Märtyrer



Die Bucht der 12 Apostel



Wir waren pünktlich zum Sonnenuntergang dort - auch wenn wir die letzten 400 m im Sprint zurückgelegt haben. Man beachte die fehlenden japanischen Touristen auf dem Foto.

8. Oktober 2009

You're heaps of right!

Tag fünf - auf der Great Ocean Road bis Kingston

Mit einer sagenhaften Verspätung starteten wir um fünf Uhr abends (kurz vor der Rush Hour) Richtung Melbourne, die Küste entlang auf der Great Ocean Road. Da wir uns kaum von der Stadt trennen konnten, in der wir so herrlich verschlafen hatten, wurde auf Mount Lofty kurz gestoppt, um ein Foto zu nehmen und die Dinnerpreise als horrend zu betiteln.




Da wir Meilen gutmachen mussten und ich nicht der Fahrer war verschlief ich einiges der Fahrt. Nach einem Dinner, das den kulinarischen Nullpunkt dieser Reise markierte, fanden wir im Lobster Motor Inn eine Bleibe für die Nacht. Wie das Motel zu seinem Namen kam sollte sich erst am nächsten Morgen zeigen.

Roadkill Recipes

Tag vier - Kangaroo Island

Frühstück im Seaside in mit - Achtung - Vegemite! Nur Ozreisende können diese Mutprobe wirklich schätzen. Bevor ich anfing, es zu mögen, hab ich zu schwarzem Tee und Orangenmarmelade gewechselt. Wie sollte ich in Deutschland an das Zeug rankommen?



"Die Australier haben einen seltsamen Humor" war der erste Gedanke, als ich dieses Buch sah. Wenn man es aufblättert sieht man aber recht schnell, daß die "Roadkill Recipes" ernst gemeint sind. Alles was ein Roadtrain überrollen kann findet seinen Weg in Kochtopf und Backform. Drei Regeln für den ambitionierten Koch oder Autofahrer:

- When its still there on your way back, it's not fresh enough.

- Clean roads are better than dusty ones.

- Prefer semi-smashed animals to complete-smashed ones.

Ich werde versuchen, den Rest des Inselaufenthalts vegetarisch zu leben.

Kurzer Besuch in einer Robbenkolonie. Furchtbar putzige Tierchen. Schwimmen, fressen, schlafen, sich vermehren. Kein allzu schlechtes Leben.





In Little Sahara wird klar, warum man die Insel Kleinaustralien nennt. Alle Klimazonen auf 82 mal 60 Kilometer Fläche, sämtliche typischen Tiere und Pflanzen vorrätig. Und ich hab eine neue Sonnenbrille.



Nach einem Aufstieg am Prospect Hill (gut, es ist eine Treppe, aber die hat gefühlte 500 Stufen) ließen wir den Abend in der Pennington Bay ausklingen. Wunderschöner menschenleerer Strand, eiskaltes Wasser. Ich bin stolz darauf, daß das meine Fußspuren sind.