4. Juni 2015

Alle Mann über Bord

Oui, c'est moi.

Wenn ich einen Blick auf diesen Blog werfe ist es kaum zu übersehen: ich bin ein miserabler Blogschreiber. Sporadische, unzusammenhängende Posts ohne erkennbare inhaltliche Richtung.
Sätze ohne Verb. Einworteinträge.

Ich find's super.

Aber da ständige Selbstgespräche einen seltsam werden lassen und ich ein Tagebuch auch analog mit Stift und Papier führen kann werde ich diesen Blog in naher Zukunft etwas umgestalten. Ich würde es nicht recyceln nennen, eher renovieren. Ein paar Räume werden neue Farbe erhalten, Gäste erhalten einen Grundriß zur besseren Orientierung, ich möchte eine Liste mit Empfehlungen des Hauses einführen.

Wer weiß, vielleicht sieht man sich bald?


22. November 2013

Go Ginza!

Tag 5 in Nippon, Tag 2 in Tokyo Als ich in meinem Schuhkarton aufwache ist es 12 Uhr lokale Zeit, langsam nähere ich mich meiner momentanen Zeitzone. Die Putzkolonne hat schon zweimal versucht, in mein Zimmer einzubrechen, und nun voller Verzweiflung die Rezeption beauftragt, von mir Order einzuholen. Heute kein cleaning, arigato. Tut mir echt leid. Gegen zwei und nach gefühlten 312 Versuchen, den Reiseführer mit Google Maps zu verkuppeln, breche ich Richtung MOMAT auf. Da ich befürchte, die U-Bahn wieder mit einem Regionalzug ins Nirgendwo zu verwechseln und inzwischen die Hoffnung aufgegeben habe, irgendwer in der Tourist Info würde englisch sprechen, meide ich den public transport und laufe. Was nach einem kurzen Spaziergang auf der Karte aussieht ist in dieser Stadt ein Fußmarsch von mehr als einer halben Stunde. Stur das Tablet vor mir hertragend und für japanische Verhältnisse finster dreinblickend laufe ich meinen Weg zickzack zwischen den Häuserschluchten. Ein Beispiel dafür, was Japaner nicht können: Flüsse in Städten [Foto von deprimierender Fluß-Unterführung] Das MOMAT zeigt moderne japanische Kunst des Expressionismus, von der Zeit um 1880 bis in die Gegenwart. Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigen vor allem Industrialisierung, westliche Einflüsse und eine neue persönliche Freiheit die Maler. Danach waren es die Kriege - erster Weltkrieg, japanisch-chinesischer Krieg (über den hier niemand offen reden mag), zweiter Weltkrieg. Allein die Bilder zu diesem Thema haben mich so mitgenommen daß ich sie nicht fotografieren wollte. Die Liebenswürdigkeit englischer 1zu1-Übersetzungen aus dem Japanischen holt den dankbaren Besucher wieder in die freundliche Gegenwart: neben einem Room with a view gibt es einen Room to appreciate the building. Die Dämmerung sinkt schon über die Stadt, als ich noch in das Arts and Crafts-Museum husche. Als einziger Besucher habe ich Zeit, Kimonos, Teeschalen und Lacquerware zu bewundern. Celadon und Perlmutt, mehrere hundert Jahre als. Nach einem langen Spaziergang am Park entlang und durch Gedankenwolken erreiche ich plötzlich und unvermittelt das Zentrum des Konsums: Ginza. Ich habe schon viele Shoppingmeilen glitzern sehen, vor allem in der Vorweihnachtszeit, aber das hier ist nicht nur übertrieben, es ist grotesk. Im bunten Durcheinander europäischer Luxusmarken und spanischer Billighersteller findet sich der Flagshipstore von Uniqlo, einem japanischen Original. Ganze 12 Stockwerke, bauplatzbedingt irritierend schmal, bieten Basics in fast beliebigen Farben. Es fühlt sich ein wenig an als würde man auf einer Trittleiter in einem Aufzugschacht shoppen. No offense, aber wenn ich wieder heimkomme werde ich unsere Wohnung wohl als Bahnhofshalle wahrnehmen. Gegen 22 Uhr wieder im Hotel bin ich todmüde. Meine Udon habe ich nicht bekommen, also muß ich mich von Crackern ernähren. Als ich um Mitternacht das dritte Mal zur Waschmaschine pilgere, um endlich an die Reihe zu kommen, treffe ich im Fahrstuhl einen japanischen Herrn mittleren (?) Alters. Außer dem Hotelkimono und korrespondierenden Schlappen trägt er augenscheinlich nichts und ist etwas erschreckt, eine Europäerin mit Augenringen anzutreffen. An der Waschmaschine angekommen entnimmt er dort eine Hose, ein Hemd, ein Unterhemd, eine Unterhose und ein Paar Socken, um all das in den Trockner zu legen. Nach einem ertappten Blick in meine Richtung verschwindet er schnell. Ich muß grinsen.

15. Januar 2012

Neues aus Genf

"Wir bedienen keine Neutrinos!" Ein Neutrino kommt in eine Bar.

Das Jahr fängt spannend an. Mal sehen, wer das Rennen gewinnt, ich bin ja zu konservativ um an Teilchen schneller als das Licht zu glauben. Der Witz ist übrigens aus dem aktuellen Physik-Journal geklaut.

18. September 2011

Join the nerds.

We have pi.

6. März 2011

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749290,00.html

Danke Deutschland.

19. Februar 2011

Der Herr Guttenberg

Mich regt diese ganze Guttenberggeschichte unglaublich auf.

Der Herr Guttenberg verhält sich unglaublich dreist und feige, indem er sich hinter irgendwelchen Ausreden und halbherzigen Erklärungsversuchen versteckt. Und zieht damit den akademischen Titel durch den Dreck. Und beleidigt alle ehrlich arbeitenden Doktoranden.

Was fällt dem Mann ein, diesen Beschiß auch noch herunterspielen zu wollen? Jeder der promoviert unterschreibt eine eidesstattliche Erklärung, daß er seine Arbeit selbst verfaßt hat, die Ergebnisse echt sind und alle Quellen zitiert. Vor so etwas hat man verdammt nochmal Respekt zu haben! Das ist nicht irgendeine Klausur, in der man mal schummelt (was genauso mies ist), das ist ein akademischer Titel! Ich kann kaum glauben, daß irgendjemand "Verständnis" hat für so eine Betrügerei.

Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Doktoranden, die viele Jahre an ihrer Arbeit schreiben, meist bei schlechter oder sogar ohne Bezahlung. In Deutschland wird über 60 % der Forschung von Doktoranden bestritten - die trotz eines Hochschulstudiums damit knapp am Existenzminimum leben. Ja, das machen sie freiwillig, aber man hat verdammt nochmal Respekt vor diesen Menschen und ihrer Arbeit zu haben.

Guttenberg hat diesen Titel nicht verdient, und anscheinend hat er keine Ahnung, was es bedeutet, wissenschaftliche Arbeit zu leisten. Was er mit seinem Amt macht ist mir piepegal, aber in meinen Augen ist er kein Akademiker.

Der Herr Guttenberg.

1. November 2009

Goodness gracious!

Tag zweiundzwanzig - Cairns, Great Barrier Reef