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15. Mai 2016

Pharisäer auf Reisen

Berufsbedingt und aus privatem Interesse bin ich relativ viel auf Reisen. Man sollte also meinen, daß ich ein gewisses Reisewissen besitze. Irritierenderweise höre ich nicht auf meine eigenen Ratschläge, die ich so gern verteile. Als Übung, nicht als Strafe, liste ich deshalb meine zehn Tips zum Thema unterwegs in der Welt für mich und das Internetz hier auf:

Statt dem Klischeebild des Eiffelturms - Ranunkeln in Paris!

1. Wenn möglich, Handgepäck! Ausschließlich mit Handgepäck zu reisen ist eine erlernbare Kunst. Wer wartet schon gerne auf seinen großen, schweren, unhandlichen Koffer am Gepäckband und darf bange 10 bis 30 Minuten Angst haben, daß das Ding verloren gegangen ist? Gut, man muß sich mit Beautykram einschränken, aber heutzutage bekommt man überall nachfüllbare Mini-Flaschen, Mini-Tuben und Mini-Schraubdosen, ganz zu schweigen von den Massen an Pröbchen, die sich in den Untiefen des Badezimmerschranks sammeln. Der Rest ist angewandte Klamotten-Kombinatorik, brutale Ehrlichkeit beim Schuhwerk und ein kleines Rei in der Tube.
2. Turnschuhe. No matter what. Gut, auf Businessflügen unangebracht, aber dann tun es ein Paar Oxfords oder Loafer. Trotzdem ist kein auch noch so bequemer Schuh die richtige Ausstattung für eine Stadtbesichtigung zu Fuß oder einen endlos langen Spaziergang die Shoppingmeile rauf und runter. Außerdem kann man den hoteleigenen Fitnessclub nutzen, und was sollte man bei akutem Jetlag nachts um vier besseres tun als eine Runde laufen? Im Büro/Taxi/Flugzeug/Auto sitzt man noch lange genug.
3. Vor langen Spaziergängen Schuhwerk wechseln! Wenn man den ganzen Tag in den Loafern verbracht hat, die so irre bequem sind, trotzdem auf Oxfords wechseln, wenn man den Park vorm Hotel erlaufen möchte. Merke: der Weg ist immer länger als er aussieht (siehe Punkt 2 Turnschuhe).
4. Shoe shine sponge: in vielen Hotels und in ALLEN Businesshotels liegt im Kleiderschrank ein kleiner Schuhputzschwamm, getränkt mit farbloser Schuhcreme. Nutzen! Das Ding poliert die malträitierten Reiseschuhe auf, und wenn wir ehrlich zu uns sind ist das letzte Mal Schuhe putzen doch schon so lange her daß wir uns nicht mehr erinnern können.
5. Platz im Koffer für Souvenirs lassen. Ob nun lokale Spezialitäten, die Ledertasche von Zara die ein lockeres Drittel günstiger war in Spanien oder ein Halbjahresvorrat an fancy Duschgel: es muß Platz im Koffer haben. Das korreliert nicht wirklich mit Punkt 1. Handgepäck, aber klappt wenn man auf dem Rückflug den Koffer aufgibt. Ja, ist eigentlich Beschiß, aber Koffer gehen nach Murphy's Law nie auf dem Heimweg verloren.
6. Immer zwei Wecker stellen. Man schläft besser. Ich traue mir selbst relativ wenig wenn ich schon total übermüdet oder gejetlagged bin. Also zwei Wecker stellen, einen aufm Handy und zusätzlich ein Weckruf von der Rezeption oder der altmodische Digitalwecker auf dem Nachttisch.
7. Peeling und Gesichtsöl. Gehören auf jeden Fall in die Beautybag. Nach einem langen Flug ist die Haut entweder ausgetrocknet oder fettig oder beides, je nach Klima. Das Peeling reinigt und gibt ein sauberes Gefühl, wenn man ewig in der Ubahn gestanden ist. Das Gesichtsöl beruhigt und spendet Feuchtigkeit. Auch gut: Tuchmaske und Gesichtswasser!
8. Sonnenbrille und Pashmina - es reicht auch ein großes Halstuch. Nach einer Nacht im Flugzeug sehe ich immer zerknautscht aus, da verstecke ich mich doch gern hinter der Sonnenbrille und mache einen auf Celebrity. Der Schal wärmt, wenn es kühl wird im Flieger, und kann draußen entweder stylisch vor Wind schützen oder hängt locker vom Hals. Wir sind ja alle Weltbürger.
9. Stadtplan und Wegbeschreibung ausdrucken. Ja, voll analog! Aber wenn Dich Google-Maps oder das Smartphone mitten im einer fremden Stadt im Stich lässt bist Du froh über jeden Hinweis. Vor allem, wenn in besagter Stadt kaum jemand Englisch spricht und Du die Beschriftung der Züge und Busse nicht lesen kannst. Auch dazuschreiben: Adresse des Hotels, wichtige Telefonnummern, Name der Buslinie. Wenn der Akku leer ist ist ein Handy unbrauchbar.
10. Last but not least: clevere Kleidung. Immer dabei in meinem Trolley: eine Uniqlo-Daunenjacke, die ich auf die Größe eines Knirps-Regenschirms zusammenrollen kann. Ein Paar Flugzeughosen (Kordelzug, dunkle Farbe, edler Stoff), ein Paar Schlappen, ein Bikini. Wer weiß, vielleicht hat das Hotel ja einen Pool? Dann hab ich die Wahl zwischen Laufen gehen oder Schwimmen, wenn der Jetlag mich packt...


Gute Reise!

17. Juli 2015

If you can't stand the heat

...get out of the kitchen.

Blöd nur, wenn man seine Moneten außerhalb des eigenen kühlen Kellers verdienen muß und bei diesem Wetter im obersten Stock eines exponierten Gebäudes sein Büro hat. Ohne Klimaanlage. Und im Anzug arbeitet. Höchststrafe.

Da mein Job mich auch immer mal wieder nach Asien bringt und ich schon das Vergnügen hatte, bei 38°C in südchinesischen Maschinenhallen zu stehen (natürlich im Businessdress) habe ich mir einige textile Überlebensstrategien zurechtgelegt. Hier eine kleine Auswahl:

Leinen

Khakigrün für den Individualisten

Ja, Leinen knittert. Hält aber auch kühl, und ein halbwegs entspannter Geschäftspartner im etwas zerknautschten Anzug ist angenehmer als ein dem Hitzetod naher im makellosen Nadelstreif. Ich bin unendlich dankbar, daß mir die Krawattenthematik erspart bleibt. Hier kann ich dankend auf Gleichberechtigung verzichten. Das im Foto gezeigte Ensemble von Esprit ist zur Zeit sogar reduziert erhältlich, ich kann den Laden für schlichte Businesskleidung empfehlen.


Seide

Geheimtip aus Fernost
Ein Hauch von nichts und trotzdem blickdicht, Seide ist aus meiner Sommergarderobe nicht mehr wegzudenken. Traditionelle Hemdenmarken sind oft enorm teuer und unerträglich altbacken (looking at you, Eterna! Schluppenbluse im Tupfendesign, ich steh nicht wirklich auf den 50ger-Jahre-Sekretärinnenlook), also hat der Findungsprozeß einiges an Zeit gebraucht. Vor knapp zwei Jahren kam ich für eine kurze Woche nach Japan und habe dort das Label Uniqlo kennen- und liebengelernt. Die Seidenoberteile sind nicht nur klassisch und gut geschnitten, sondern auch bezahlbar. Leider in D schwer zu bekommen, da haben es unsere Nachbarn westlich des Rheins besser.

Baumwolle/Viskose

Schluppentop in "cool"

Ich habe drei dieser ärmellosen Tops, die entfernt an Blusen erinnern, und alle drei sind schön luftig geschnitten. Bei Hitze ist nichts nerviger als ein Hemdsaum, der in die Hose gesteckt werden muß! Für diesen eleganten Lösungsansatz sollte der Bund aber auf der richtigen Höhe sitzen, sonst sieht man wie ein Müllsack aus.

Wildleder

Bieder, aber bequem

Ich gehe hier mal Hardcore davon aus, daß im erzkonservativen Umfeld geschlossene Schuhe gefordert sind. Alas, die Lösung hier heißt Wildleder, zumindest für Außenmaterial und Innenfutter. Man darf sich hier kein Bein stellen und beim Interieur Kompromisse machen, Kunstleder wird unter Sonneneinstrahlung ein kleiner Backofen. Während einer echten Hitzewelle droht auch keine Gefahr vom Erzfeind des Wildleders: Regen.




Bonus-Cheat: geflochtenes/perforiertes Leder

Haben eigentlich die gleiche Größe...

Ein Profitrick sind Schuhe aus perforiertem Leder oder "Flechtschuhe". Die Hitze staut sich nicht, man kann sie problemlos barfuß tragen, und schick sehen sie im besten Fall auch noch aus. Bitte auch hier auf Leder achten, es bricht nach ein paar Jahren nicht auf wie perforiertes Kunstleder und läßt sich bedeutend einfacher pflegen.